Wer seine Ruhe haben will und viele Hotspots mühelos befischen möchte, der sollte mal das Karpfenangeln vom schwimmenden Untersatz ausprobieren. Ein Toprevier dafür ist der Naturpark Dahme-Heideseen.

Unser Boot steigt aus den lang gezogenen Schatten der Laubbäume. Das Schilf knistert in der Morgensonne. Zusammen tuckern Andreas, Alexander und ich über die Dahme und ihre Seen. Noch liege ich im Bett des BunBos (Bungalowboot) und blicke schlaftrunken aus dem Fenster. Plötzlich poltern Andreas und Alexander aus ihrem Zimmer und kurz darauf drillt Andreas seinen ersten Dahme-Karpfen. Gespannt beobachte ich das Geschehen, sehe beim Blick nach links und rechts Schilf, Wald, umgestürzte Bäume und Wasser – viel Wasser. Angler sind wir die einzigen weit und breit. Hier fühle ich mich genau richtig.

Suche nach Spots

Binnen acht Tagen beangeln wir vier Seen des Dahmelandes im Südosten Berlins, bleiben nie länger als zwei Nächte an einem Platz und schaffen es, überall mindestens einen Karpfen zu landen. Mögliche Ankerplätze recherchierten wir bereits vor dem Törn. Der Vercharterer des Bun-Bos stellt jedem Gast Tiefenkarten via App zur Verfügung, die ebenfalls auf einem Tablet an Bord zu finden sind. Dank GPS ist der Kurs leicht zu halten und jeder erkennt die Tiefe unter dem Boot. Unsere Taktik passen wir den Gewässern an. Wir orientieren uns auf den großen
brandenburgischen Binnenmeeren an den Flachwasserzonen und Abbruchkanten. Beim Befischen der langen Rinnenseen platzieren wir das Gefährt und die Montagen an Engstellen wie Ein- und Ausflüssen.

Alexander mit Wolziger See-Karpfen, der bei viel Wind den Köder nahm

Ein Boot namens Uschi

Andreas bugsiert seinen Karpfen in den Kescher, da hebt sich mein Swinger Richtung Rute. Ich setze den Anhieb. Der Fisch steht erst mal für lange Zeit tief. Doch dann ist er endlich vorm Boot, wo er nochmals mehrere Meter Schnur von der Rolle reißt. Leider steigt der rund 15 Kilo schwere Spiegelkarpfen aus und meine Enttäuschung steht mir ins Gesicht geschrieben. Die Bisse erhielten wir am Durchgang zum Huschtesee und dessen Naturschutzgebiet. Mein Ärger verfliegt rasch durch den Geruch von Kaffee und feuchter Abhakmatte in der Nase, Andis gefangenen Fisch und die Morgensonne im Gesicht. Am Nachmittag nähert sich die Wasserschutzpolizei und dockt Steuerbord bei uns an. Freundlich weisen uns die Beamten darauf hin, dass mein Schlauchboot weder Name noch Adresse trägt. „Schreibt doch einfach Uschi drauf oder was Euch gerade einfällt“, schlägt einer der Polizisten vor. Ich krame einen Stift hervor und taufe mein Boot auf den Namen „Uschi“…

Den kompletten Artikel lest Ihr in RUTE&ROLLE 03/2020!
Text: Christian Geist
Fotos: Christian Geist, Alexander Weiß

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