Wer rasante Drills und tolle Fänge erleben möchte, für den ist Abelvær das richtige Reiseziel. Jesco Peschutter und Björn Otto machen sich auf den Weg in dieses atemberaubende Revier, um sich von der unglaublichen Angelei auf Pollack, Dorsch, Heilbutt, Rotbarsch & Co zu überzeugen.
AUTOR Jesco Peschutter FOTOS Björn Otto, Jesco Peschutter
Als wir unser Ziel in Mittelnorwegen erreichen, begrüßt uns das Schild am Ortseingang mit den norwegischen Worten „Velkommen til Abelvær“, was übersetzt heißt: willkommen in Abelvær. Sofort fühlen wir uns in diesem kleinen Dorf wohl. Für mich ist es der erste Besuch des Revieres. Björn Otto von Angelreisen Halver, mit dem ich den wunderschönen Fleck Erde besuche, schwärmte während der gesamten Autofahrt von der unglaublichen Angelei und den vielen Hotspots – teils nur wenige Bootsminuten von den Ferienhäusern entfernt. Ich bin heiß wie Frittenfett und kann es nicht mehr erwarten, aufs Wasser zu kommen und mit Björn die Köder auszuwerfen.
Erste Ausfahrt
Endlich ist es soweit: Die Ruten sind montiert, Köder bereitgelegt, Schwimmwesten angelegt und das Boot ist startklar zum Ablegen. Wir steuern ein Plateau hinterm Tviberg an – eine von vielen Inselchen rund um Abelvær. Nach nur kurzer Zeit erreichen wir den Spot und suchen mit unseren Gummifischen die Wassersäule nach Pollack ab. Lange müssen wir nicht warten und es gibt Bisse und Anfasser. Plötzlich ist Björns Rute krumm und seine Bremse kreischt auf: Der erste bronzefarbene Räuber landet im Boot. Kurz darauf bin ich an der Reihe und fange ebenfalls einen super Pollack, der dem Gummi im Sandaaldekor nicht widerstehen konnte. Es geht munter weiter und wir überzeugen viele der kampfstarken Fische von unseren Ködern. Immer wieder wechseln wir Spots und probieren es an neuen Untiefen. An jeder Unterwassererhebung gibt’s Bisse und Pollack am Haken.
Paradies für Pollack
Auch wenn Plateaus und deren Kanten mit Tiefen von 15 bis 30 Meter zuverlässig Pollack ans Band bringen, finden wir erst später heraus, dass wir etwas zu tief geangelt haben. Die besten Plätze liegen bei unserer Tour Anfang Juni deutlich flacher. Wahre Hotspots sind Stellen mit Tiefen zwischen sieben und zwölf Meter, die am Grund Tangwälder aufweisen. Als wir diese Ecken befischen, erleben wir wahre Sternstunden. Biss auf Biss und viele super Pollack gibt es über den großen Braunalgen. Attacken auf Sicht und aufregende Drills sind dabei. Nicht selten folgen mehrere Räuber dem Köder bis zur Oberfläche. Adrenalin pur schießt durch unsere Körper! Die Spannung beim langsamen Einleiern der schlanken Gummifische am 20 bis 80 Gramm schweren Jigkopf ist magisch. Jederzeit kann es den nächsten Ruck in der Rute geben, gefolgt von rasanten Fluchten und aufheulenden Bremsen. So kommt es vor, dass bei einem Wurf ein Pollack beißt, leider wieder aussteigt und kurz darauf ein weiterer Räuber einsteigt. Mehrere Bisse in kürzester Zeit sind keine Seltenheit. So gelingt es uns, Pollack bis über 90 Zentimeter zu fangen, die dem relativ leichten Gerät alles abverlangen. Andere Gäste überlisten Fische bis über der magischen Metermarke. Anglerherz, was willst Du mehr!
Immer wieder Dorsch
Die flachen Plätze mit Tang am Grund bringen nicht nur Pollack ans Band. Immer wieder schnappen sich Dorsche unsere Gummiköder. Das passiert meist, wenn wir die Jigs weiter Richtung Grund absinken lassen. Im Freiwasser sind die marmorierten Räuber aber ebenfalls auf der Suche nach Beute.
Eine Bitte: Achtet bei den flachen Stellen darauf, dass immer genügend Wasser unter dem Boot ist, sich keine gefährlichen Wellen brechen und die Plätze bei Ebbe nicht trockenfallen. Beobachtet die Seekarte auf dem Plotter genau und schaut beim Angeln regelmäßig auf die angezeigte Tiefe des Echolotes. Spätestens bei weniger als fünf Meter solltet Ihr die Drift abbrechen. Meidet gefährliche Stellen, denn es gibt rund um Abelvær genügend Hotspots, die sich gefahrlos befischen lassen. Apropos Hotspots: Für manche Plätze müsst Ihr ein bisschen weiter fahren, aber auch in unmittelbarer Nähe lassen sich unzählige heiße Bereiche finden. So fangen wir in einer Bucht nach nur wenigen Minuten Fahrt super Dorsche auf unsere Köder. An anderen Stellen fische ich mit ganzem Köhler am System, um die besseren Exemplare herauszupicken. Dabei gehen mir neben Dorschen auch Leng und Lumb als Beifang auf meinen angebotenen Köderfisch.
Top für Heilbutt
Abelvær ist mit seinen vielen kleinen Inselchen, den unzähligen sandigen Buchten und Rinnen ein Toprevier für Heilbutt. Deshalb wollen wir es an einem Tag auf die majestätischen Plattfische versuchen. Aufgrund der Mitternachtssonne ist das Angeln im Juni rund um die Uhr möglich. Wir stehen früh auf, um zur besten Tide und bei perfekter Drift die Heilbuttplätze in 15 bis 35 Meter Tiefe zu beackern. Björn setzt auf Gummi, während ich einen Köhler hinterm Schleppblei auf Tauchfahrt schicke. Gummifisch bringt tolle Dorsche und Pollack. Plötzlich bekomme ich meine Chance: Erst zaghaft, dann mit immer mehr Zug an der Schnur versucht jemand meinen Köder zu fressen. Ein Heilbutt? Als ich den Anschlag setze, steht der große Fisch wie eine Wand im Wasser. Die Rute biegt sich im Halbkreis und sofort ist klar, dass es sich um den Plattenkönig handelt. Gut drei Minuten kämpfe ich um jeden Zentimeter Schnur, doch dann steigt der Heilbutt leider aus. Nur kurze Zeit später hakt Björn eine XL-Platte, hat aber genauso viel Pech wie ich und verliert diese kurz darauf. Danach schläft der Wind ein und die Drift lässt nach. Solche Bedingungen sind nicht mehr optimal fürs Heilbuttangeln und wir suchen uns einen anderen Zielfisch.
Rote Schönheiten

Fünf auf einen Streich! Rotbarschangeln macht Spaß und dieser Fang zaubert Björn ein Lächeln ins Gesicht
Wenig Wind, was also tun? Wenn das Meer spiegelglatt ist und kaum Drift herrscht, sind dies die besten Voraussetzungen für Leng oder Rotbarsch. Wir entscheiden uns für den Rotbarsch, da die Schonzeit seit Anfang Juni vorbei ist…
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