Rapfen drehen im Sommer in den Gewässern richtig auf. Immer wieder schießen die silbernen Räuber in Kleinfischschwärme und erbeuten Jungfische mit pfeilschnellen Attacken. Jetzt heißt es für Jesco Peschutter: Es ist Rapfenzeit!

AUTOR Jesco Peschutter FOTOS Elmar Elfers, Tobias Norff, Jesco Peschutter

Jesco liebt die Angelei auf Rapfen im Sommer

Jesco liebt die Angelei auf Rapfen im Sommer

Sie besitzen keine Zähne am Kiefer und schauen auf den ersten Blick recht harmlos aus. Doch der erste Eindruck täuscht! Das oberständige Maul und der stromlinienförmige Körper machen Rapfen zu rasanten Räubern, die gerne Schrecken unter den Kleinfischen verbreiten. Dabei lieben die Silberpfeile Strömung und schnell fließendes Wasser der Flüsse, kommen aber auch in Kanälen und manchen Seen vor. In der warmen Jahreszeit, wenn sich viele Jungfische in den Gewässern tummeln, schlagen sich die räuberischen Weißfische ihre Bäuche voll. Wie Ihr Rapfen am besten fangt, möchte ich Euch im Folgenden erzählen.

Heiße Bereiche

Wer einen Rapfen überlisten möchte, sollte sich vorher informieren, ob in dem ausgewählten Gewässer auch die Zielfische vorkommen. Viele größere Flüsse bieten eine Eins-a-Angelei auf die Räuber und unzählige Hotspots. So sind Strömungskanten, Buhnen, Einläufe, Brückenpfeiler, Wehre und Schleusen immer einen Versuch wert. Wenn Ihr an diesen Stellen seht, wie Kleinfische panisch aus dem Wasser spritzen, Bugwellen der Räuber zu erkennen sind oder Ihr ein lautes Platschen an der Oberfläche hört, seid Ihr im ganz heißen Bereich.

Dort solltet Ihr unbedingt Eure Köder anbieten! Neben den größeren Strömen wie zum Beispiel der Elbe lohnt sich auch ein Versuch an kleineren und langsam fließenden Flüssen. Strömungskanten und Buhnen suchen wir dort meist vergeblich. Aber überall, wo es Zuläufe gibt, habt Ihr gute Chancen auf knallharte Bisse. Nicht selten ziehen Rapfen in der Nähe von Wasserpflanzen umher, um aus dem Schutz der Deckung blitzschnell zuzuschlagen. An Kanälen sind Einläufe ebenfalls super Plätze für einen Versuch auf die silbernen Torpedos. In den künstlichen Wasserstraßen halten sich die Räuber gerne direkt an der Steinpackung auf. Hier patrouillieren sie auf der Suche nach unvorsichtigen Kleinfischen.

Fängige Köder

Kleine Gummifische, Jig Spinner, Streamer, Wobbler und Zocker dürfen beim Rapfenangeln nicht fehlen

Kleine Gummifische, Jig Spinner, Streamer, Wobbler und Zocker dürfen beim Rapfenangeln nicht fehlen

Aber welche Köder fangen zuverlässig Rapfen? Da sich die gierigen Raubfische im Sommer besonders auf junge Fischchen eingeschossen haben, sollten Eure Köder diese perfekt imitieren. Wählt deshalb nicht zu große Happen, sondern eher kleinere Modelle. Weil Rapfen häufig dicht unter der Wasseroberfläche rauben, zählen flach laufende Wobbler in Längen zwischen fünf und zehn Zentimeter zu meiner ersten Wahl. Schlanke Ausführungen gehören auf jeden Fall in die Köderbox.

Sehr gerne fische ich mit dem Daiwa Tournament Wise Minnow 50FS, bei dem es sich um ein sinkendes Modell handelt, das ich sehr gut werfen lässt. Soll etwas mehr Aufmerksamkeit unter der Wasseroberfläche erregt werden, sind Jig Spinner eine gute Wahl, die mit den rotierenden Spinnerblättern für ordentlich Druck sorgen. Stehen die Räuber draußen und sind weite Würfe nötig, setze ich auf Blinker, besser gesagt auf Meerforellenblinker. Diese fliegen schön und gibt es in den verschiedensten Größen. Muss es noch ein Stückchen weiter rausgehen, nehme ich sogar kleine Zocker, wie wir sie vom Barschangeln kennen.

Ebenfalls einen Versuch wert sind nicht zu große Gummifische an Jigköpfen in Längen um die sieben Zentimeter, die die Beutefischchen gut nachahmen. Manchmal kommen bei mir auch Mini-Jerkbaits in den Snap, wie etwa der Strike Pro Tiny Buster, wenn ich eine etwas andere Köderführung bevorzuge. Und für den Fall, dass die Rapfen es nur auf extrem kleine Brutfische abgesehen haben, knote ich Streamer ans Vorfach. Diese könnt Ihr mit der Fliegenrute anbieten. Ich selbst nehme eine Sbirolino-Montage, um die winzigen Muster auf Weite zu bringen.

Schnell serviert

Die Köderführung darf im Sommer gerne richtig schnell sein, um die Rapfen zu verführen. Deshalb sollten Eure Wobbler auch bei hoher Einholgeschwindigkeit stabil im Wasser laufen. Häufig sind Köder mit einer kurzen Tauchschaufel optimal zum rasanten Rapfenangeln. Jig Spinner sind perfekt für gute Wurfweiten, schnelles Tempo und ordentlich Druck im Räuberrevier. Auch Meerforellenblinker lassen sich schnell führen. Beim Zocker solltet Ihr noch etwas mehr auf Geschwindigkeit setzen, wenn Ihr wollt, dass dieser direkt unter der Oberfläche läuft.

Gummifische und Mini-Jerks führe ich meist etwas langsamer, um den Rapfen eine andere Köderpräsentation zu bieten – manchmal ist das der Schlüssel zum Erfolg. Beim Angeln mit Streamer bin ich sehr variabel: Mal hole ich das Muster rasch ein, dann mal wieder langsam und ab und an unterbreche ich den Lauf mit einem Spinnstopp. Fühlt Euch frei und experimentiert ein wenig, um herauszufinden, was die Rapfen gerade am liebsten mögen.

Topwater

Eine leichte, etwa 2,70 Meter lange Spinnrute ist optimal fürs Angeln auf Rapfen

Eine leichte, etwa 2,70 Meter lange Spinnrute ist optimal fürs Angeln auf Rapfen

Besonders spannend ist im Sommer die Angelei direkt an der Oberfläche. Hier könnt Ihr zum Beispiel Walker, Popper oder Propeller-Baits einsetzen und Euch auf brachiale Bisse freuen. Walker führt Ihr am besten im Zickzackkurs. Popper werden mit kurzen und harten Rucken über die Rute eingeholt, wodurch das verführerische „Plopp“-Geräusch entsteht. Propeller-Baits holt Ihr einfach zügig ein. Nicht jede Attacke der Rapfen wird dabei mit einem Fisch am Haken belohnt – es gibt immer wieder Fehlbisse.

Aber das Topwater-Angeln bringt Laune und ist extrem aufregend. Wenn plötzlich eine Bugwelle hinter dem Oberflächenköder auftaucht, sich der Räuber der vermeintlichen Beute nähert und es den Einschlag gibt, scheint die Zeit für einen Moment stillzustehen. Bei der Topwater-Angelei müssen es nicht immer kleinere Köder sein. Häufig punkten auch größere Modelle, weil diese anscheinend besser wahrgenommen werden. Sehr gerne nehme ich den Storm Rattlin’ Chug Bug, den ich sowohl wie einen Popper als auch „Walk the dog“ führen kann…

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