Wenn die Fische an der Oberfläche aktiv sind, aber eine klassische Trockenfliege verschmähen, ist es für uns Zeit, die Speisekarte um Slow food zu ergänzen, empfiehlt Hans Eiber.
Unterwegs an Bach, Fluss oder See gibt es für einen Fliegenfischer vermutlich wenig Schöneres, als plötzlich Zeuge eines Insektenschlupfs zu werden. Wie von Geisterhand erscheinen kleine zartbeflügelte Geschöpfe an der Wasseroberfläche, lassen sich ein wenig treiben und erheben sich dann in die Luft. Das heißt, wenn sie dazu noch in der Lage sind, denn auch die Fische haben schnell erkannt, dass hier etwas großartiges im Gang ist. Sie beginnen die Insekten von der Oberfläche abzusammeln, was wiederum unseren Puls in die Höhe treibt. Insgesamt ein magisches Schauspiel.

Fliegenfischen mit Emerger

Klassischer, zielgenauer Service einer Flymph
In aller Ruhe
Eigentlich der richtige Zeitpunkt, eine traditionelle Trockenfliege ans Vorfach zu knüpfen. Eine, die auf den feinen Spitzen der Hechelfeder möglichst hoch auf der Wasseroberfläche balanciert und tänzelt und eben diese kurze Phase imitiert, wenn das neue adulte Insekt noch eine kurze Strecke treibend die Flügel trocknet, bevor es davon flattert. Natürlich fing und fängt man damit Fische, aber gar nicht so selten erlebt man etwas Merkwürdiges. Obwohl die Fische aktiv sind, belegen sie das stolze Trockenmuster mit Missachtung. Beim genauen Hinsehen fällt auf, die Ringe entstehen plötzlich dort, wo vorher überhaupt kein Insekt zu sehen war. Man hat den Eindruck die Fische steigen ins Leere. Natürlich tun sie das nicht, sie sammeln nur die gerade aus der Nymphenhülle schlüpfenden geflügelten Insekten, die Emerger ein. Diese hängen während des Umwandlungsprozesses oft so knapp unter der Wasseroberfläche, dass sie für die Fische von unten gut erkennbar, für uns von außen aber noch unsichtbar sind. Das Fatale für die kleinen Kreaturen: Vor allem bei ruhigem Wasserspiegel müssen sie mitunter eine ziemlich widerspenstige Oberflächenspannung überwinden und das gelingt je nach Spezies unterschiedlich schnell. Große Maifliegen sind dabei gegenüber kleinen Mücken im Vorteil, die besonders lange in der zähen Wasserhaut gefangen sind. Alle Arten haben aber ein gemeinsames Problem. Nämlich dann, wenn es ihnen nicht gelingt, ihre Nymphenhülle sauber abzustreifen und darin gefangen bleiben. Wir kennen diese Totgeburten als Stillborns. Da sie niemals abheben werden, können die Fische sie in aller Ruhe einsammeln. Es sind eher keine schnellen, rabiaten „Takes“, wie wir sie gerne bei den voll entwickelten Fliegen erleben, sondern mehr ein verstohlenes Einschlürfen und Einsaugen. Statt eines deutlichen Schwalls, gibt es nur einen mehr oder weniger unauffälligen Wirbel. Emerger und Stillborns, sind eine leichte Beute, sozusagen „Slow food“. Darauf sollten wir uns einstellen. (…)
Text & Fotos: Hans Eiber
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