Sieht auf den ersten Blick wie eine schmale Fliegenrolle aus, ist aber für Posen und Maden gemacht – die Centrepin. Tobias Norff steht total auf den Rollentyp und verrät, wie er damit im Fluss auf Friedfische angelt.

Tobias Norff ist Fan von der Achsrolle und fischt mit ihr gerne auf große Friedfische im Fluss

Der ältere Spinnfischer hinter mir fragt: „Was haste da denn? Ne Fliegenrolle?” Tatsächlich könnte man die Rolle für eine übergroße, schmale Fliegenrolle halten. Doch noch bevor ich zur Erklärung ansetze, bleibt meine Pose in der Strömung stehen und wird mit einem Ruck unter Wasser gezogen. Der Fisch hängt und wehrt sich nach Kräften. Kurze Zeit später gleitet ein stattlicher Aland über den Kescherrand. Der Spinnfischer schaut interessiert zu und ist offensichtlich beeindruckt. Und nachdem ich den Fisch versorgt habe, bekommt der Angler auch seine verdiente Erklärung.

Bei der Rolle, die ich verwendete, handelte es sich um eine sogenannte Centrepin – und die bekommt man hierzulande wirklich selten zu Gesicht. Genau genommen habe ich abgesehen von meiner eigenen noch nie eine in Deutschland gesehen. In England ist das ganz anders. Im Ursprungsland dieses Rollentyps wird die Centrepin von vielen Anglern verwendet. Vor allem, wenn es im Fluss auf Döbel, Rotaugen, Barben, Äschen und Forellen geht. Denn genau in dieser Disziplin spielt der auch als Notthingham- oder Achsrolle bezeichnete Klassiker seine Stärken aus. Vom Aufbau her ähnelt die Centrepin durchaus einer Fliegenrolle. Die Spule sitzt auch hier direkt auf der Achse. Es gibt keine Übersetzung wie bei Stationär- oder Multirolle. Doch die Centrepin ist noch „spartanischer” ausgestattet. Sie hat nicht mal eine Bremse. Lediglich eine zuschaltbare Knarre findet sich an vielen Modellen. Die sorgt nur dafür, dass die leicht läufige Rolle beim Transport nicht in Rotation gerät. Bremswirkung hat sie keine. Durch den großen Spulendurchmesser der Achsrolle lässt sich trotzt der 1:1-Übersetzung einigermaßen zügig Schnur einholen.

Obwohl an so einer Notthingham-Rolle keinerlei technische Raffinessen zu finden sind, kosten gute Modelle eine Stange Geld. Der Grund dafür: Es kommt auf eine sehr präzise Fertigung und hochwertige Materialien an. Die Rolle muss butterweich und extrem leicht laufen! Sie wird vorrangig eingesetzt, um mit der treibenden Pose zu angeln. Hierbei wartet der Klassiker mit einigen Vorteilen auf, die kein anderer Rollentyp bietet. Die Spule ist so leichtgängig, dass der Strömungsdruck, der auf der Pose lastet, genügt, um sie in Rotation zu versetzen. So bist Du in der Lage, die Pose sehr kontrolliert treiben zu lassen. Der leichte, aber doch vorhandene Laufwiderstand sorgt dafür, dass die Schnur stets gespannt ist, und bremst die Montage ein wenig ab. Kommt der Biss, musst Du nicht erst einen Bügel umklappen, sondern blockierst die Spule einfach mit dem Daumen. Voraussetzung für das Angeln mit der Centrepin ist allerdings eine gewisse Strömungsgeschwindigkeit. In sehr langsam fließenden Gewässern genügt der Strömungsdruck nicht, um die Spule in Bewegung zu versetzen…

Mehr zum Bremsmanöver, Posen und Montagen erfahrt Ihr in der aktuellen RUTE&ROLLE 04/2019!
Text & Fotos: Tobias Norff

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