Gemütlich, erfolgreich und eigentlich ganz einfach: das Angeln mit auftreibender Montage. Arnulf Ehrchen schaute Forellensee-Spezialist Tim Riediger über die Schulter und entlockte ihm ein paar Tricks.

Autor Arnulf Ehrchen   Fotos Arnulf Ehrchen

L-förmig aufgezogenes „Stinkegummi“ verführte diese Forelle

Es ist Montagmorgen und noch nicht richtig hell. Immerhin hat der starke Regen endlich aufgehört. Trotzdem ist Bewegung in der Wasseroberfläche. „Die sind weiter oben!“, stellt Tim trocken fest ‒ und kurbelt sofort eine Montage ein. Bisher servierte er seinen Köder an dieser Rute vier Meter über Grund. Doch dort, wo sich jetzt Forellen verraten, ist es wesentlich tiefer. „Ich gehe mal auf sechs über Grund“, erklärt der 29-Jährige, der gerne hier am Forellensee Quickborn unterwegs ist. Tim schnappt sich die Vorfachspule mit 0,18er Mono und längt rund sechs Meter ab. Er kennt den See gut und weiß, dass die Fische sich gerade über rund acht Metern Wassertiefe zeigen. Schnell einen Haken Größe 8 angeknotet und das Vorfach am Dreifachwirbel der Montage befestigt. „Warum fischst Du zwei Meter unter der Oberfläche, wenn oben Fische zu sehen sind?“, frage ich. Tim kann das erklären: „Hier ist immer so viel Fisch drin, da stehen die meisten Forellen unter denen, die sich zeigen. Ich probiere erst mal sechs Meter. Passt das nicht, gehe ich weiter hoch.“ Passt aber! Kaum hat Tim seinen Bissanzeiger eingehängt, bekommt dieser einen „Höhenflug“. Die nächste schöne Portionsforelle gleitet in den Kescher. Läuft!

Kein Schnickschnack

Fast enttäuscht bin ich über Tims einfache Grundmontage: Ein 25-Gramm-Birnblei gleitet frei auf der Hauptschnur, eine Gummiperle schützt den Knoten am Dreifachwirbel. Hier knotet Tim direkt an, verzichtet bewusst auf einen Karabiner. Je weniger Bauteile, desto weniger Ärger mit Verwicklungen, ist Tims einfaches Prinzip. Es überzeugt: keine einzige Verwicklung, obwohl einige Würfe zusammenkommen. Sicher auch, weil Tim jeden Wurf gefühlvoll einbremst, bevor sein Blei das Wasser berührt. Keinen Schnickschnack braucht er auch in Sachen Bissanzeige: Die Ruten liegen auf langen Erdspeeren. Auf elektronische Bissanzeiger verzichtet der sympathische Schleswig-Holsteiner bewusst. Seine beiden leichten Einhängebissanzeiger hat er aber immer im Blick.

Mit auftreibenden Ködern kam Tim zum Erfolg

Angepasstes Gerät

Mit 3,90 Metern Rutenlänge setzt der Forellen-Fan recht lange „Stecken“ ein. „Bei den Wassertiefen hier wird’s so mit der Landung leichter. Lange Vorfächer und kurze Ruten passen nicht zusammen“, erklärt Tim. Sein langer Kescherstiel erleichtert die Landung zusätzlich. Was auffällt, sind unterschiedliche Rollenfüllungen, die der Quickborner einsetzt. Eine Rolle ist mit 0,20er Mono gefüllt, eine mit 0,10er Geflochtener. Für wirklich weite Würfe greift Tim zur Geflochtenen ‒ und setzt oft auf stark aromatisierte, künstliche Larvenimitate mit Auftrieb wie zum Beispiel von Libra Lures, die er leicht L-förmig aufzieht. Wer zu hart wirft, dem wird Forellenpaste, der beliebteste Köder für diese Angelei, oft im Wurf wegfliegen. Mit den sehr weichen, aber extrem haltbaren „Stinkegummis“ passiert das nicht, deshalb sind sie für weite Würfe Tims erste Wahl. Bis zum Hälternetz, um das offensichtlich einige Fische kreisen, sind es vom heutigen Standplatz aus bestimmt 50 Meter ‒ mit Geflecht auf der Rolle und Gummi am Haken kein Problem. Die Montage, mit der Tim dichter am eigenen Ufer fischt, trägt klassisch Forellenpaste als Köder. Mehr als zwei Ruten fischt er auch beim passiven Angeln am Forellensee so gut wie nie. „Ich kümmere mich lieber gut um zwei Ruten als hinter drei zu sitzen.“ Zum Sitzen kommt er heute Morgen ohnehin nicht viel. Regelmäßig wirft er eine der beiden Montagen neu aus, um möglichst schnell dort zu fischen, wo sich eben eine Forelle gezeigt hat.

Spindelförmiger Köder mit Knick

Sicher aufwärts

Auch wenn Tim sonst gerne kleine Köder fischt, darf bei Auftriebshöhen von mehreren Metern der Forellenhappen nicht zu klein ausfallen. Nur mit genug Auftrieb wartet die Paste oder das aromatisierte Gummigebilde auf der gewünschten Tiefe. Als Vorfachmaterial fällt Fluorocarbon deshalb aus… (den kompletten Artikel findet Ihr in der Ausgabe 6 Eurer Rute & Rolle)

 

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