Auch in der kalten Jahreszeit stehen die Räuber nicht immer tief. Erfahrene Experten sagen Euch, wann sich ein Versuch im Flachen lohnt.

Mit Binsenweisheiten ist das so eine Sache. Manchmal stimmen sie, häufig eben aber nicht. Pauschale Aussagen spiegeln nur unzureichend das wahre Leben wider. Und so stehen die Fische auch im Winter nicht immer im Tiefen. Die Theorie dazu ist allerdings einleuchtend: Wasser hat bei vier Grad die höchste Dichte. Ist es an der Oberfl äche kälter, sinken die wärmeren Wasserschichten zum Gewässerboden, die kälteren Schichten liegen oben drauf. Die wechselwarmen Fische folgen dem wärmeren Wasser nach unten. Aus dem Grund ist die Taktik, sich im Winter gezielt die tieferen Regionen vorzunehmen, sinnvoll. Aber eben nicht immer und vor allen Dingen nicht ausschließlich. Denn sowohl die Beutefische als auch die Räuber tummeln sich mitunter im Flachwasser. Je nach Gewässertyp sind damit Abschnitte mit Tiefen von rund zwei Metern bis 30 Zentimetern gemeint.

Winterhechte: das Schlüsselerlebnis

Wie so oft beim Angeln half mir der Zufall auf die Sprünge. Die ersten Erfahrungen habe ich zwar nicht selbst gemacht, aber der aufgeregte Telefonanruf von Kumpel Tobi ist mir noch heute, mehr als 15 Jahre später, in lebhafter Erinnerung. Er war auf recht tiefen Berliner Seen zum Eisangeln auf Barsche unterwegs. Es lief recht zäh und so bohrte er auf der Suche nach den Räubern quer über das Gewässer seine Löcher. Dabei geriet er versehentlich ins Flache. Schon nach einem Meter schlug sein Zocker auf den Grund. Noch bevor er sich ärgern konnte, schnappte ein strammer Räuber seinen Köder. Und dann noch einer, und noch einer … Völlig euphorisch berichtete er abends von dem Ausnahmetag, den er dem Zufall zu verdanken hatte. Wenn Barsche flach stehen, warum sollten sich Hechte anders verhalten?

Im selben Winter fischte ich an einem Stausee auf Hechte. Wir versuchten es tief, auf dem Echolot sahen wir reichlich Futterfisch. Aber die Räuber wollten nicht. Während wir konzentriert einen Wurf nach dem anderen machten, platschte es plötzlich neben uns an der Oberfläche gewaltig. Wir ankerten an einer Kante. Das Plateau war unter einem Meter tief. Und genau dort jagte ganz offensichtlich ein Räuber! Beim nächsten Schwall erkannte ich den Verursacher: Ein großer Hecht stieß in die Kleinfische. Mit unseren schweren Bleiköpfen konnten wir nichts ausrichten, aber am nächsten Tag waren wir besser gerüstet. Auf Jerkbaits konnten wir zwei schöne Hechte erbeuten…

 

Das sagen die Experten!

Wir wollten von ausgewiesenen Hechtprofis wissen, ob sie auch im Winter flach auf Hechte fischen. Uli Beyer, Jan Borek und Mathias Fuhrmann angeln an unterschiedlichen Gewässertypen – hier sind ihre Antworten.


Jan, wann lohnt Deiner Erfahrung nach ein Versuch im Flachwasser in der kalten Jahreszeit?
Auch bei frostigen Temperaturen schwimmen Hechte gern mehrere hundert Meter, um von ihren Fressbereichen in lichtdurchflutete Zonen zu gelangen. Da liegt der Schlüssel, es geht um Energiegewinnung in der kalten Jahreszeit. Vermutlich wirkt sich die UV-Einstrahlung auch positiv auf die Verdauung und die Laichausprägung aus. Besonders in den kalten Monaten November, Dezember und Januar wirkt das Flachwasser anziehend auf die Fische…

Mathias, welche Techniken wendest Du im Winter im Flachen an?
Die Methoden haben sich in den letzten Jahren extrem weiterentwickelt. Besonders schwedische Angler haben da richtig viel an den Bodden und in den heimischen Gewässern getüftelt und umgesetzt. Insbesondere der Einsatz der Shallow Screw war eine Innovation…

Uli, kommt es vor, dass die Hechte an Deinen Gewässern im Winter flach stehen?
Grundsätzlich JA. In Holland bin ich sicher, dass stets ein Versuch in sehr flachem Wasser lohnt, am Möhnesee eher selten. Der Hecht folgt den Futterfischen und die sind in den Niederlanden und am Möhnesee recht unterschiedlich. Maränen ziehen in sehr tiefe Regionen des Möhnesees und dort ist der Hecht dann meistens auch zu finden…

 

Die ausführlichen Interviews und den kompletten Artikel lest Ihr in der aktuellen RUTE&ROLLE 02/2020!
Text: Georg Baumann
Fotos: Georg Baumann, Jan Borek, Uli Beyer, Mathias Fuhrmann

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