Hoch im Norden Deutschlands liegt eine Perle für Karpfenangler: der Elbe-Lübeck-Kanal. Jesco Peschutter stellt Euch diese künstliche Schifffahrtsstraße vor und zeigt, wie sich dort dicke Rüssler fangen lassen.

Langsam löst sich der dichte Nebel über der Wasseroberfläche auf und die Sonne kommt zum Vorschein. Die ersten Sportboote passieren die Schleusen und schieben sich gemächlich durch die schleswig-holsteinische Landschaft. Ein Eisvogel macht kurz Rast auf meinen Ruten, fliegt aber wenig später von dannen. Auch die ersten Spaziergänger und Fahrradfahrer sind schon auf den Beinen. Mit einem frisch gebrühten Kaffee sitze ich auf meinem Stuhl und genieße die morgendliche Stimmung. Doch abrupt meldet sich mein Bissanzeiger und kreischt laut auf. Die Schnur rast nur so von der Rolle. Schnell bin ich an der Rute und nehme Kontakt auf. Ein kräftiger Kanalkarpfen belastet das Gerät bis aufs Äußerste. Die Fluchten werden jedoch weniger und schließlich gleitet ein herrlich goldener Spiegler in meinen Kescher. Das ist Karpfenangeln am Elbe-Lübeck-Kanal!

Der Elk mit seinen Karpfen

In Schleswig-Holstein verbindet der rund 60 Kilometer lange Elbe-Lübeck-Kanal die Ostsee mit der Elbe. Einheimische nennen ihn einfach nur kurz ELK. Insgesamt sieben Schleusen eilen die Wasserstraße in verschiedene Bereiche. Überall lassen sich Karpfen fangen und der Bestand kann sich mehr als sehen lassen. Im Schnitt dürft Ihr mit Fischen zwischen 15 und 30 Pfund rechnen. Kleinere aber auch größere Burschen sind ebenfalls möglich. Das Verhältnis zwischen Schuppenkarpfen und Spiegelkarpfen ist relativ ausgeglichen. Allerdings machte ich die Erfahrung, dass die Spiegler im Schnitt größer sind und die Schuppis eher kleiner und lang gestreckt. Aber unterschätzt diese nicht! Auch wenn sie meist unter 20 Pfund wiegen, steckt extrem viel Power in ihnen. Im Drill verkaufen sie sich deutlich besser als die größeren Spiegelkarpfen. Stabile Haken in der Größe 4 bis 6 sind deshalb unentbehrlich.

Kanten bringen Fisch

Der Kanal ist in der Mitte nur rund 2,50 Meter tief. Das bleibt aber wohl nicht so. Schließlich sind für den Ausbaus des Kanals fast eine Milliarde Euro veranschlagt. Doch es kann noch und 10 bis 15 Jahre dauern, bis die geplante Kanaltiefe von vier Metern kommt. Welche Folgen das dann für uns Angler hat, ist noch nicht abzusehen. Aber zurück in die Gegenwart. Auf beiden Seiten der Fahrrinne befindet sich eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Kante. Und genau am Kantenfuß präsentiere ich jeweils eine meiner Montagen.

Die Spiegelkarpfen sind im Schnitt größer als die Schuppis. 30 Pfünder sind immer möglich

Das Rig der dritten erlaubten Rute werfe ich entweder in die Kanalmitte oder nah ans gegenüberliegende Ufer. Die Karpfen sind durch die ständige Schifffahrt sehr aktiv und schwimmen weite Strecken, um etwas Fressbares zu finden. Wenn Ihr so Eure Köder anbietet, stoßen Spiegler oder Schuppis früher oder später auf die leckeren Happen…

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Text & Fotos: Jesco Peschutter

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