Olaf Lindner ist seit April 2017 Pressesprecher des DAFV. Chefredakteur Georg Baumann sprachen mit ihm über die schweren Vorwürfe gegen seinen Arbeitgeber.

Olaf Lindner ist Pressesprecher des DAFV

Der Fischereiverband Saar hat seinen Austritt erklärt. Der Präsident Andreas Schneiderlöchner wirft dem DAFV schwere Versäumnisse vor. Auch in anderen Mitgliedsverbänden gärt es. Wieso kriegen Sie keine Ruhe in die eigenen Reihen?
Olaf Lindner (OL): Hr. Schneiderlöchner hat im Rahmen der letzten Jahreshauptversammlung seine Vorstellungen und sein Programm für die Verbandsarbeit beim DAFV vorgelegt und sich damit gegen die amtierende Präsidentin zur Wahl gestellt. Die Delegierten der Mitgliedsverbände haben Frau Dr. Happach-Kasan mit großer Mehrheit erneut zur Präsidentin gewählt. Ende des Jahres hat der Fischereiverband Saar dann die Kündigung beim DAFV eingereicht. Die Delegierten der Mitgliedsverbände waren augenscheinlich nicht von seinem Konzept überzeugt.

Das ist aber keine Antwort auf die Frage. Wollen Sie tatsächlich behaupten,  die Stimmung in den Mitgliedsverbänden sei gut?
OL: Es gibt immer welche, die Unzufriedenheit äußern. Andere sehen die positive Entwicklung. Wir haben derzeit viele Projekt in der Pipeline, die etwas Zeit brauchen. Ich bin optimistisch, dass wir damit nach und nach durch inhaltliche Arbeit überzeugen.

Andreas Schneiderlöchner bemängelt eine verfehlte Personalpolitik des DAFV. Sowohl der Geschäftsführer Alexander Seggelke und Olaf Lindner seien keine Profis auf ihrem Gebiet und bräuchten viel zu lange, um sich einzuarbeiten. War der Verband zu geizig, um echte Experten zu engagieren?
OL: Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir den Verband weiterentwickeln wollen. Ich war lange Jahre Vorstand in einem großen Angelverein, habe für 13.000 Angler am Bodensee in der Internationalen Arbeitsgemeinschaft gearbeitet, danach im Landesfischereiverband Baden-Württemberg und bin jetzt beim Bundesverband. Wir krempeln der DAFV derzeit in vielen Bereichen um. Neue IT-Systeme, neue Webseite, neue Verbandszeitschrift. Zeitnahe Pressemitteilungen zu allen relevanten Themen. Wir arbeiten an einem umfassenden Versicherungspaket, führen gerade einen einheitlichen und maschinenlesbaren Verbandsausweis ein. Die direkte Dienstleistung soll viel mehr in den Vordergrund gerückt werden. Dazu arbeiten wir mit führenden Wissenschaftlern an zeitgemäßen Positionen, um der Politik die Bedeutung und den Stellenwert der Angelfischerei nahezubringen. Wir vertreten die Interessen der Angler in verschiedensten Gremien, auf Veranstaltungen und Messen und gegenüber der Politik in Berlin/Bonn und Brüssel. Auch Ihre Medien haben einige unserer Arbeiten veröffentlicht.

Wir sind selber begeisterte Angler. 2011 habe ich mich selbst im Rahmen meiner Freizeit im Anglerboard angemeldet und war wohl einer der wenigen Verbandsvertreter, der sich öffentlich in diese „Höhle des Löwen“ gewagt hat. Das kann jeder gerne selber nachlesen. Wir nehmen die Kritik ernst. Es ist bestimmt nicht alles falsch, was da vorgetragen wird, auch wenn der Umgangston schon sehr rau ist. Aber ich habe damit kein Problem.

Aber es muss Sie doch nachdenklich stimmen, dass an der Küste eine Initiative von Ehrenamtlern – Stichwort „Anglerdemo“ –  mehr bewegt als die etablierten Verbände mit bezahlten Vollzeitkräften. Wenn diese Initiative sich dann vom DAFV im Stich gelassen fühlt, ist das doch ein Zeichen, dass etwas grundlegend schief läuft. Woran liegt es, dass es eine flächendeckende Unzufriedenheit mit der Arbeit des DAFV gibt?
OL: Wir freuen uns über alle Initiativen, die den Interessen der Angler nützen und wir haben uns wie viele andere auch an der Anglerdemo beteiligt. Wir haben uns da nie negativ geäußert und stehen in Kontakt mit den Kollegen. Der starke Auftritt von unserer Präsidentin Fr. Dr. Happach-Kasan bei der Podiumsdiskussion im Vorfeld der Anglerdemo wurde von vielen Anglern ausdrücklich gewürdigt. Ein aktueller Beitrag im Anglerboard lautet: „Die Vielfalt der Angler und des Angelns – Miteinander statt gegeneinander“. Wenn wir Angler uns weniger gegenseitig demontieren und unsere Kräfte vereinen, könnten wir vermutlich viel mehr erreichen.

Wir haben gegenüber der EU ein Positionspapier zu Angelverboten in Schutzgebieten verfasst und in mehreren Initiativen gegen die ideologisch begründete Verbotspolitik klar und deutlich Stellung bezogen, nicht zuletzt mit dem offenen Brief an Frau Merkel. Dass Frau Hendricks die unbegründete Verordnung still und heimlich zwei Tage vor der Bundestagswahl unterzeichnet, konnte keiner verhindern. Wir wurden da alle zusammen über den Tisch gezogen. Dazu hat unsere Präsidentin im Nachgang auch noch einen vielbeachteten Kommentar verfasst.

Die mangelnde Teilnahme an Referententreffen und auch auf der Hauptversammlung deuten darauf hin, dass selbst die Mitglieder kein allzu großes Interesse an einer Mitarbeit im DAFV haben. Welche konkreten Pläne haben Sie, um diesem Verdruss entgegenzuwirken?
OL: Auf Arbeitsebene stellen wir ein vermehrtes Interesse an der Arbeit des DAFV fest. Die Geschäftsführertagungen waren noch nie so gut besucht und wohl noch nie so konstruktiv durchgeführt. Wir haben 2017 zum ersten Mal alle Mitarbeiter der Landesverbände aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit zusammengebracht. Wir haben Landesverbände, wie z.B. Baden-Württemberg, die wieder in den DAFV eingetreten sind. Ich war zu der Zeit selber noch beim LFV-Baden-Württemberg und habe das durchaus auch kritisch gesehen. Wir haben damals gesagt, geben wir dem DAFV eine Chance, wenn wir Mehrwerte sehen, dann ist das Geld gut investiert und kommt den Anglern zugute. Keiner stellt in Deutschland ernsthaft in Frage, dass die Angler mehr denn je eine schlagkräftige Vertretung auf Bundes- und EU-Ebene brauchen. Die Austritte bringen doch keinem etwas. Ich habe den Eindruck, dass da manchmal persönliche Befindlichkeiten eine größere Rolle spielen als das Interesse am Angeln.

Welche Erfolge konnte der DAFV in den letzten beiden Jahren erringen?
OL: Der Erfolg hat immer viele Väter und Mütter. Die Klage des NABU gegen die Kormoranverordnung in Sachsen-Anhalt wurde abgewiesen. Die flächendeckenden Aal-Fangverbote auf EU-Ebene wurden verhindert. 2016 haben wir das bag-limit für den Dorsch verhindert. Der Druck zu einer Lösung für ein flächendeckendes Kormoranmanagement zu kommen, ist gewachsen. Es wird mittlerweile offiziell anerkannt, dass Kormorane in Deutschland in ihrem Bestand nicht mehr gefährdet sind. Das ist zumindest ein Ansatz, in Zukunft den Schutzstatus aufzuheben und den Vogel in Anhang II der Vogelschutzrichtlinie aufzunehmen und damit als bejagbare Art auszuweisen. An diesen Entwicklungen hat der DAFV einen maßgeblichen Anteil unterstützt durch seine Landesverbände, durch die Kormorankommission und den Deutschen Fischereiverband. Wir sind ein Freund von konstruktiver Zusammenarbeit.

Wenn wir gegen andere Interessengruppen bestehen wollen, müssen wir Angler und Fischer enger und professioneller zusammenarbeiten. Wenn einem der DAFV nicht passt, dann sollte man helfen, ihn zu verändern und nicht austreten. Die Möglichkeit zu angeln ist längst kein Selbstläufer mehr in Deutschland. Wenn wir für unsere Interessen nicht gemeinsam einstehen, werden wir gegenüber anderen Interessengruppen an Boden verlieren.  Eine weitere Aufsplittung hilft nach meiner Meinung keinem Angler in Deutschland.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Interview: Georg Baumann

Das Interview ist aus anglerboard.de. Hier kommt Ihr zum entsprechenden Thread!

 

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