Mit den steigenden Temperaturen werden nicht nur die Fische aktiv. Auch Zecken haben nun Hochsaison. Die Plagegeister können gefährliche Krankheiten übertragen. Wir zeigen Dir in der aktuellen RUTE&ROLLE, wie Du Dich schützt! 

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Dazu findet Ihr Informationen zu Zecken-Krankheiten und Impfungen. Im großen Interview erklärt Prof. Dr. med. Tomas Jelinek, Spezialist für Infektionskrankheiten, warum sich immer mehr Menschen mit Borreliose anstecken. Das Interview lest Ihr hier:

 

„Es ist nicht schlimm, wenn der Kopf stecken bleibt!”

Prof. Dr. Tomas Jelinek ist Spezialist für FSME und Borreliose. Er registriert eine Zunahme der Krankheitsfälle

Prof. Dr. med. Tomas Jelinek, Jahrgang 1966, ist Medizinischer Direktor des BCRT – Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT). Der Spezialist für Infektionskrankheiten behandelt immer mehr Menschen mit Borreliose.

RUTE & ROLLE: Wie häufig ist denn die Borreliose-Erkrankung in Deutschland?
Jelinek: Das kann Ihnen leider niemand genau sagen, da es nur in Ostdeutschland eine Meldepflicht gibt. Dort infizieren sich jährlich mehrere zehntausend Menschen. In Gesamtdeutschland sind es wahrscheinlich mehrere hunderttausend Fälle. Nach einer Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung nehmen die Erkrankungen zu.

RUTE & ROLLE: Führt jeder Biss einer infizierten Zecke zur Erkrankung?
Jelinek: Wahrscheinlich nicht. Sicher ist, dass man eine bestimmte Infektionsdosis benötigt. Es muss also erstmal eine bestimmte Anzahl Bakterien in den menschlichen Körper gelangen. Manche Menschen sind infiziert, doch die Krankheit bricht nicht aus. Bei anderen dauert es Monate, bis erste Symptome auftreten.

RUTE & ROLLE: Bei welchen Symptomen sollte man einen Arzt aufsuchen?
Jelinek: Auf jeden Fall bei der sogenannten Wanderröte. Die tritt allerdings nur bei etwa 50 Prozent der Betroffenen auf. Die haben Glück, denn man kann sie schnell behandeln. Andere Symptome wie nächtliches Schwitzen, Schlappheit, ggf. Gelenkentzündungen, etc. sind ziemlich unspezifisch. Wer aber zuvor einen Zeckenbiss hatte, sollte eine Borreliose-Erkrankung in Erwägung ziehen.

RUTE & ROLLE: Und ist dann immer eine klare Diagnose möglich?
Jelinek: Leider ist das schwierig, denn zur Diagnose werden Abwehrreaktionen des Körpers gemessen. Einige Menschen reagieren aber gar nicht, da gibt es dann ein negatives Ergebnis, obwohl sie erkrankt sind. Hinzu kommt, dass es verschiedene Tests von unterschiedlicher Qualität gibt. Mitunter muss man tatsächlich auf Verdacht behandeln.

RUTE & ROLLE: Zum Schutz vor Bissen ist neben langer Kleidung ein Zeckenmittel unverzichtbar. Sind alle gleich gut?
Jelinek: Stiftung Warentest prüft regelmäßig die Wirksamkeit, da gibt es schon Unterschiede. Entscheidend ist aber die richtige Anwendung. Anders als Stechmücken wandern Zecken lange auf dem Körper herum. Besonders interessant finden sie die Stellen, an denen wir Sexualduftstoffe absondern. Also Kniekehlen, Achselhöhen und Genitalbereich. Die müssen wir dringend einsprühen.

RUTE & ROLLE: Was halten Sie von spezieller Zeckenschutzkleidung?
Jelinek: Da geht es ja vor allem darum, den Zecken so wenig „Einschlupflöcher“ wie möglich zu bieten. Je mehr man einpackt, desto höher ist der Schutz. Auf heller Kleidung findet man die Zecken übrigens schneller.

RUTE & ROLLE: Wenn ich dann aber doch gebissen werde: Wie werde ich die Zecke am besten wieder los?
Jelinek: Durch stetes Ziehen. Zecken haben kein Schraubgewinde. Drehen ist also nutzlos. Ganz, ganz wichtig ist, dass Sie den Körper der Zecke nicht quetschen. Denn die Bakterien sitzen im Darmtrakt. Wenn sie den leer drücken, katapultieren sie die Bakterien, die sonst erst nach Stunden in Ihr Blut gelangt wären, direkt in Ihren Körper. Also bitte auch kein Öl oder Uhu verwenden, denn das führt dazu, dass sich die Zecke entleert. Zum Entfernen empfehle ich eine gebogene Pinzette, die den Körper der Zecke unbehelligt lässt und die Zecke nur im Kopfbereich fasst.

RUTE & ROLLE: Aber man sollte auf jeden Fall schnell handeln?
Jelinek: Richtig. Ich hatte schon nachts um vier Uhr Patienten in der Notaufnahme, die wegen einer Zecke kamen. Da vergehen dann Stunden, weil die Menschen Angst hatten, beim Entfernen etwas falsch zu machen. Bis dahin ist der Erreger dann vielleicht schon übertragen. Übrigens ist es überhaupt nicht schlimm, wenn der Beißapparat bzw. Kopf der Zecke abreißt. Wie gesagt sind die Erreger im Darmtrakt und der muss weg. Das was dann vielleicht noch in der Haut steckt, überträgt die Borreliose nicht. Zur Sicherheit können Sie die Stelle desinfizieren und beobachten. Anders ist es bei FSME, aber dagegen können und sollten Sie sich impfen.

RUTE & ROLLE: Nun habe ich vielleicht eine Zecke übersehen und entdecke sie erst nach mehreren Stunden. Die Wanderröte als sicheres Zeichen kommt nur bei etwa der Hälfte der Erkrankten vor. Kann ich dann nichts anderes tun als zu hoffen, dass ich nicht infiziert bin?
Jelinek: Sie können die Zecke aufheben und untersuchen lassen. Ist sie nicht infiziert, sind Sie es auch nicht. Das sollte unbedingt ein Labor machen. In Outdoor-Läden werden mitunter Schnelltests angeboten. Die sind aber ziemlicher Mist – die Ergebnisse sind nämlich nicht zuverlässig. Eine amerikanische Studie hat gezeigt, dass die Einnahme einer einzelnen Antibiotika-Tablette (Doxycyclin) das Infektionsrisiko um 87 Prozent senkt, sofern die Tablette innerhalb von 72 Stunden nach dem Biss genommen wird. Da Antibiotika verschreibungspflichtig sind, müssen Sie aber in jedem Fall zum Arzt.

RUTE & ROLLE: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Georg Baumann.
Weiter Infos findest Du auf www.bcrt.de

Beitragsbild: fotolia.de

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