Südlich vom riesigen Vättern-See liegt die Region Småland mit dem bekannten See Stora Nätaren – ein erstklassiges Reiseziel für Zander-Fans. Christian Siegler und Florian Läufer machten sich Ende Juni auf den Weg, um die geheimnisvollen Stachelritter gezielt mit der pelagischen Vertikalangelei zu überlisten.

Ein Angelausflug nach Südschweden ist herrlich unkompliziert – mit der Fähre und dem eigenen Auto sind wir in wenigen Stunden an unserem Zielort: Lekeryd heißt der kleine Ort, fernab vom Stress der großen Metropolen. Voller Vorfreude auf die nächsten Tage beziehen wir unser gemütliches und komplett ausgestattetes Ferienhaus. Die Besitzer Göran und Iréne – ein nettes, typisch schwedisches Pärchen – zeigen uns die Unterkunft und kümmern sich die ganze Woche über liebevoll um uns. Kurz nachdem Florian und ich unsere Siebensachen eingeräumt haben, treffen wir Henrik und Michael – die beiden Organisatoren der Reise. Henrik ist Schwede, Westin-Teamangler, erfahrener Guide und Biologe für Binnengewässer. Michael kommt aus Deutschland und kümmert sich um die Buchungen und Ferienhäuser. Zusammen bieten sie unter der Marke „Fishing in Sweden“ Touren in die Regionen Småland und Jönköping an (siehe Infokasten). Nach einem kurzen Gespräch ist der Schlachtplan für die kommende Woche geschmiedet und wir sind richtig heiß. Der See, an dem wir wohnen und angeln werden, heißt Stora Nätaren – und dieses Gewässer hat es in sich! Zwei Wochen vor unserer Tour wurde genau hier der neue schwedische Rekordzander von 12,53 Kilo gefangen – natürlich beim pelagischen Vertikalangeln. Genau das wollen wir am nächsten Morgen probieren, denn diese Methode ist genial und spannend zugleich.

Technik, die begeistert

Die Nacht war kurz. Im Morgengrauen stehen wir am Wasser und helfen Henrik, das Boot zu trailern. Das Alumacraft ist top ausgestattet und hat alles an Bord, was wir für einen erfolgreichen Angelausflug benötigen: Schwimmwesten, passende Ruten und Köder und die nötige Technik in Form von Echoloten mit Side-Imaging und Elektromotor im Bug – quasi ein Rundum-Sorglos-Paket. Nach ein paar Minuten sind wir auch schon an der ersten heißen Stelle und die Suche beginnt. Langsam fahren wir interessante Strukturen ab – immer mit dem Blick auf die zwei Echolotbildschirme. Zeigt sich ein Zander unter oder neben dem Boot (dank Side-Imaging-Technik können wir Fische bis zu 20 Meter neben dem Boot ausfindig machen), wird’s spannend. Die größte Schwierigkeit ist es, den Fisch zielgenau mit dem Boot anzusteuern und die Position anschließend zu halten – bei Seitenwind und Strömung keine einfache Aufgabe. Zum Glück haben wir Henrik – er hat die Sache voll im Griff und bringt uns gekonnt über den ersten Zander.
Gespannt lässt Florian den großen, schlanken Gummifisch Richtung Zander gleiten, der sich direkt unter dem Boot befindet. Zu dritt starren wir wie gebannt auf die Bildschirme der Echolote, denn man sieht ganz genau, wie sich der Köder dem Fisch nähert und dieser anschließend reagiert.
Der Zander hat wohl keinen Appetit und taucht ab. Es ist alles andere als einfach und die Fische springen einem – trotz hohem technischen Aufwand – bei der pelagischen Vertikalangelei nicht ins Boot. Drei Jahre brauchte Henrik, um mit dieser Methode auf so einem hohen Niveau zu fischen. Denn nicht nur das Steuern des Bootes ist entscheidend, auch die Bedienung der beiden Echolote spielt eine große Rolle. Die sich ständig ändernden Bedingungen erfordern ein hohes technisches Verständnis, um die Geräte passend einzustellen und die Signale richtig deuten zu können.

Pelagisch knallt‘s

Nachdem der erste Fisch unseren Köder nicht genommen hat, dauert es nicht lange und wir haben die nächste Sichel unterm Kiel. Diesmal geht alles ganz schnell – Henrik bringt das Boot gekonnt in Position, Florian lässt vorsichtig den 23 Zentimeter großen Westin Slim Teez nach unten und springt wie vom Blitz getroffen von seinem Sitz auf, denn seine Rute krümmt sich bereits zum Halbkreis. Wenige Momente später schlägt ein traumhafter, goldgelb gefärbter Schwedenzander die Wasseroberfläche schaumig und Florian kann ihn per Handlandung zu einem kurzen Fototermin an Bord überreden.

Anschließend setzen wir den Fisch schonend zurück, denn Catch & Release ist in Schweden absolut legal und wird gerne gesehen.
Nach einer kurzen Verschnaufpause bin ich an der Reihe, denn beim pelagischen Vertikalangeln auf Zander kann immer nur eine Person fischen – zu genau muss der Köder zum Fisch, als dass wir zu zweit oder dritt angeln könnten. Wieder kreisen wir über interessanten Strukturen und die Suche dauert nicht lange, bis sich erneut eine Sichel unterm Boot zeigt. Doch wie schon kurz zuvor erlebt, bedeutet bei dieser Methode Finden nicht gleich Fangen. Nach unzähligen Fischen, die unsere großen Gummiköder mehr oder weniger lang betrachten und so manches Mal unsere Adrenalinspiegel in die Höhe haben schießen lassen, knallt es auch in meiner Rute und der nächste prächtige Räuber kommt an die Wasseroberfläche. Diese Angelei bietet einfach alles, was man sich wünscht: Spannung, Aktion und dicke Fische!

Klassisch unterwegs am Stora Nätaren

Doch im Stora Nätaren muss man nicht zwangsläufig pelagisch fischen, um zum Erfolg zu kommen. Auch ohne Guide und teure Ausrüstung bietet das Revier genügend Potential, um tolle Zander zu fangen. Die Leihboote der Anlage sind mit Vier- oder Fünf-PS-Motoren ausgestattet, was auf diesem Gewässer völlig ausreichend ist. Ein Echolot (kann vor Ort geliehen werden) ist allerdings zwingend erforderlich, da die Untiefen und Unterwasserberge nicht immer sofort erkennbar sind. Eine weit verbreitete Methode ist das Schleppen auf Zander in den Abendstunden. Mit
Wobblern um die zehn Zentimeter und einer Lauftiefe von drei bis sechs Metern müssen wir nicht lange warten, bis der erste Stachelritter die Rute krumm zieht.

Noch kurzweiliger ist das klassische Jiggen an Kanten und Unterwasserbergen. Hat man die richtigen Stellen gefunden, sind Doppeldrills keine Ausnahme und Zander von 40 bis 60 Zentimeter halten die Laune hoch.

Möchten Sie jedoch die richtig kapitalen Exemplare fangen, haben Sie die besseren Karten mit der pelagischen Vertikalangelei. Probieren Sie es doch einfach einmal selber aus und lernen Sie von Henrik, wie große Gummifische, im Freiwasser angeboten, die wirklichen Schätze des Stora Nätaren ins Boot locken. Es lohnt sich!