Ein schier endlos großes Angebot an Angelrollen macht die Auswahl beim Kauf oft nicht einfach. Wichtig ist natürlich, dass die Rolle zur jeweiligen Angelart passt. Für den Erfolg beim Spinnangeln gibt es aber einen Faktor, der besonders entscheidend ist: die Rollenübersetzung.

Die Übersetzung der Rolle sollte beim Kauf eine entscheidende Rolle spielen

Die Übersetzung der Rolle sollte beim Kauf eine entscheidende Rolle spielen

Bei der Rollenwahl stellen sich viele Angler meist die falschen Fragen: Wie viele Kugellager hat die Rolle? Welche Farbe oder Größe passt zu meiner Rute? Die Rollengröße muss schon passen – wir wollen ja schließlich nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Aber viel wichtiger für eine perfekte Köderpräsentation und dadurch unmittelbar entscheidend für den Fangerfolg sind die Rollenübersetzung und der Schnureinzug.

Die Rollenübersetzung

Hier hat das Tempo gepasst. Christian fing einen guten Barsch hart am Grund

Hier hat das Tempo gepasst. Christian fing einen guten Barsch hart am Grund

Diese beiden Faktoren bestimmen, wie schnell und wie weit sich ein Köder bei einer Kurbelumdrehung bewegt – ein Aspekt, der über Misserfolg oder Erfolg entscheiden kann, aber häufig übersehen wird. Auch beim Friedfisch- oder Karpfenangeln spielt der Schnureinzug eine wichtige Rolle: Je schneller die Montage beim Einholen vom Boden kommt, desto geringer ist das Risiko eines Hängers. Auch beim Füttern mit der Futterrakete ist ein hoher Schnureinzug von Vorteil.

Die Übersetzung gibt an, wie oft sich die Spule bei einer Multirolle beziehungsweise der Rotor bei stationären Rollen bei einer Kurbelumdrehung dreht. Bei einer Übersetzung von 5:1 dreht sich die Spule der Multirolle fünfmal pro Kurbelumdrehung. Weniger bekannt ist, dass auch der Spulendurchmesser den effektiven Schnureinzug beeinflusst. Rollen mit größerem Spulendurchmesser ziehen bei gleicher Übersetzung mehr Schnur ein als Rollen mit kleinerer Spule. Deshalb geben viele Hersteller den Schnureinzug pro Kurbelumdrehung an, da dieser Wert noch aussagekräftiger ist als die reine Übersetzung.

Eine hohe Übersetzung bedeutet also nicht automatisch einen hohen Schnureinzug. Dieses Wissen ist entscheidend für den Fangerfolg. Stellen wir uns vor, wir angeln im Winter auf träge Zander mit einer hoch übersetzten Rolle, die viel Schnur pro Kurbelumdrehung einzieht – das passt nicht optimal. Umgekehrt ist es unglaublich ermüdend, seine Topwaterbaits mit Vollgas über die Wasseroberfläche zu führen, um einen Rapfen zu reizen, mit einer Rolle, die nur wenig Schnur einzieht und langsam arbeitet.

Passende Rollenwahl

Um Euch einen Anhaltspunkt und ein wenig Sicherheit beim Kauf einer neuen Rolle zu geben, habe ich einen Leitfaden mit unterschiedlichen Übersetzungen und den dazu passenden Ködern beziehungsweise Methoden zusammengestellt:

Niedrige Rollenübersetzung (3,8:1 bis 4,8:1) und/oder geringer Schnureinzug
  • große, schwere Spinnerbaits
  • tieflaufende Crankbaits
  • große Swim- und Jerkbaits
  • langsame Köderführung im Winter

Niedrige Übersetzung und geringer Schnureinzug sind ideal für große Köder, die ordentlich Druck unter Wasser ausüben. Die Kraftübertragung ist besser, wodurch sich die Rolle viel leichter kurbeln lässt. Ihr könnt Eure Bigbaits deutlich länger ermüdungsfrei fischen. Konstruktionsbedingt stecken die langsamen Rollen schwere Köder besser weg als hoch übersetzte Modelle, die bei hoher Belastung schnell in die Knie gehen. Außerdem haben Rollen mit geringer Übersetzung die stärksten Bremsen auf dem Markt und sind somit absolut großfischtauglich. Sie eignen sich auch wunderbar, um im kalten Winterwasser Kunstköder (besonders sinkende Swimbaits) langsam zu präsentieren und sie besser in der gewünschten Gewässertiefe zu halten.

Mittlere Rollenübersetzung (5,0:1 bis 5,8:1) und durchschnittlicher Schnureinzug
  • flachlaufende, kleinere Crankbaits
  • leichte, flachlaufende Spinnerbaits
  • Twitchbaits
  • Finesse-Techniken (Texas-, Carolina-Rig)

Rollen mit einer mittleren Übersetzung sind Allrounder und Ihr könnt sie für fast alle Angelarten einsetzen. Ob kleine Crankbaits oder Texas-Rig – mit einer mittleren Übersetzung liegt Ihr fast immer richtig. Ihr könnt die Köder schnell genug führen, um Reaktionsbisse von aggressiven Räubern zu kassieren, aber auch langsam genug, um nicht zu schnell aus dem Gesichtsfeld der Fische zu verschwinden. Ich verwende diese Rollen sehr gerne zum Twitchen. Die Wobbler können schnell genug präsentiert werden und der beim Twitchen wichtige, kleine Schnurbogen ist nicht zu schnell wieder aufgespult.

Hohe Rollenübersetzung (ab 6,0:1) und großer Schnureinzug
  • Jiggen
  • Topwater
  • Lippless Cranks (Wobbler ohne Tauchschaufel)
Beim Rapfenangeln ist Tempo angesagt

Beim Rapfenangeln ist Tempo angesagt

Hoch übersetzte Rollen lassen sich oft schwerer kurbeln als Rollen mit niedriger Übersetzung, weshalb sie für kleinere Köder, die wenig Druck machen (zum Beispiel kleine Gummifische oder Würmer), geeignet sind. Eine hohe Übersetzung ist oft dann sinnvoll, wenn wir unsere Köder mit der Rute animieren und Schnurbögen vermeiden müssen. Besonders beim schnellen Jiggen ist das der Fall…

Den kompletten Artikel findet Ihr in der März-Ausgabe Eurer RUTE & ROLLE!  Bestellbar im R&R-Shop!

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