Bald werden die Dorschquoten für die Ostsee festgelegt. Es droht eine Verschärfung des Bag Limits. Ist das gerechtfertigt? Wir sprachen mit Dr. Christopher Zimmermann, Leiter des Instituts für Ostseefischerei und Vertreter im ICES.

Experte: Christopher Zimmermann beschäftigt sich als Wissenschaftler seit Jahren intensiv mit der Entwicklung der Fischbestände

Hand aufs Herz: Wie geht’s dem Ostseedorsch? Können wir in ein paar Jahren noch guten Gewissens auf Dorsche angeln?
Christopher Zimmermann: So pauschal lässt sich das nicht beantworten. Es gibt in der Ostsee nämlich zwei Dorschbestände, den westlichen und den östlichen. Dem östlichen geht es nach den aktuellen Erkenntnissen wirklich miserabel. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) hat empfohlen, ihn im nächsten Jahr nicht mehr zu nutzen, also die Fischerei komplett zu schließen. Nach den Vorhersagen spielen allerdings die Umweltbedingungen die wesentliche Rolle, und wenn die sich nicht verbessern, wird sich der Bestand auch ohne Fischerei in den nächsten Jahren nicht erholen. Es wird also darum gehen, dem Bestand keinen weiteren Schaden zuzufügen und dennoch möglichst viel Fischerei auf andere Arten zuzulassen, denn auch in den anderen Fischereien gibt es gelegentlich Beifänge von Ostdorsch. Fische aus diesem Bestand kann man also eigentlich nicht mehr guten Gewissens entnehmen…

Derzeit werden Angler von der Initiative „Anglerdemo“ aufgefordert, ihren untermaßigen Fang an Ostseedorschen zu dokumentieren, um so zu zeigen, dass die Jahrgänge 2017/18 doch nicht so schwach sind. Ist das sinnvoll?
Christopher Zimmermann: Nein, aus wissenschaftlicher Sicht ist es das nicht. Erstens zeigt der 2016er Jahrgang ein breites Spektrum an Fischlängen auf. Wenn Sie also jetzt einen 30 Zentimeter langen Dorsch fangen, kann der durchaus noch aus 2016 stammen. Zweitens bringen Punktbetrachtungen wenig. Wenn ein Angler an einem Tag mal zehn untermaßige Dorsche  fängt, sagt das wissenschaftlich nichts aus. Wir müssten wissen, was er in den zehn Jahren zuvor an der gleichen Stelle, zur gleichen Zeit mit der gleichen Methode gefangen hat. So könnte man dann Tendenzen erkennen. Nach den Daten der internationalen Forschungsreisen, die wir seit vielen Jahrzehnten immer mit den gleichen Geräten in der ganzen westlichen Ostsee zweimal im Jahr durchführen, ist die absolute Anzahl des Nachwuchses aus 2017 und 2018 sehr gering. Die Unsicherheiten der Bestimmung der Jahrgangsstärke sind am Anfang immer groß, aber alle Indikatoren zeigen einheitlich, dass beide Jahrgänge sehr schwach sind…

Laut einem Bericht in der Ostseezeitung nannte Ihr Stellvertreter Dr. Krumme den Fangstopp für die Berufsfischer ein „Bauernopfer“. Was meint er damit?
Christopher Zimmermann: Der Dorsch-Fangstopp in der Arkona-und Bornholmsee soll dazu dienen, den Ostdorschbestand nicht weiter schrumpfen zu lassen. Abgesehen davon, dass die Vorschriften des Plans technisch nicht gut gemacht sind und die Maßnahme deshalb wahrscheinlich keinerlei positive Auswirkung auf den Bestand hat, löst sie das Problem nicht: Wahrscheinlich geht es dem Ostdorsch so schlecht, weil in den tiefen Becken der Ostsee Sauerstoffmangel herrscht…

Das komplette Interview mit Christopher Zimmermann lest Ihr in der aktuellen RUTE&ROLLE 10/2019!
Wir sprachen mit Ihm, welche Auswirkungen ein kompletter Fangstopp auf den Dorschbestand hätte, welche Maßnahmen notwendig sind, um den Bestand zu sichern und wie die Dorschfangquoten überhaupt festgelegt werden!

Interview: Georg Baumann

 

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