Beim Friedfischangeln mit Oberflächenködern ist Nervenkitzel garantiert, ob auf Aland und Döbel im Fluss oder auf Karpfen und Graser im See. Tobias Norff gibt Tipps zu Taktik, Ködern und Montagen.

Na, war da was? Ich schirme die Augen mit der Hand ab, schaue gebannt gegen die tief stehende Sonne über den kleinen See. Die Wasseroberfläche kräuselt sich im Wind, macht es mir heute schwer, die Brotstückchen im Blick zu behalten. Da, endlich ein deutlicher Hinweis: Direkt vor einer Reihe überhängender Büsche entsteht ein größerer Strudel, lässt einen Bereich der Wasseroberfläche für einige Sekunden spiegelglatt werden. Darauf habe ich den ganzen Nachmittag gewartet. Schnell schnappe ich mir Rute, Kescher und Abhakmatte, schlage mich durchs Dickicht, um in eine bessere Wurfposition zu kommen. Plötzlich ist es da: das Jagdfieber!

Warten auf dem Fisch an der Oberfläche

Noch im Gehen stecke ich mit zittrigen Fingern ein Stück Brotkruste auf den Haken, kontrolliere noch einmal die Bremseinstellung der Rolle. Etwa 15 Meter trennen mich vom „Tatort”. Der Wind steht günstig. Ich lege den Kescher bereit, warte gebannt darauf, dass sich der Fisch erneut an der Oberfläche zeigt. Doch die Karpfen sind heute alles andere als gierig, gehen nur vereinzelt auf mein Lockangebot ein. Bestimmt eine halbe Stunde lauere ich in geduckter Haltung im hohen Gras, doch die Brotstückchen dümpeln unbehelligt an der Oberfläche. Nur gelegentlich knabbern kleine Rotfedern an dem mittlerweile aufgeweichten Backwerk. Chance verpasst!

Das Fischen an der Oberfläche hat etwas Ursprüngliches, weckt das Jagdfieber so sehr wie kaum eine andere Angelart. Du siehst die Fische, wirfst sie direkt an und kannst sie sogar dabei beobachten, wie sie Deinen Hakenköder nehmen. Spannender geht es nicht! Mit Schwimmbrot kannst Du es an vielen Gewässern und auf verschiedene Friedfischarten probieren. Besonders gut sprechen Karpfen, Graskarpfen (Weißer Amur), Döbel, Alande, Rotfedern und Rotaugen auf die Happen an der Oberfläche an. Grundsätzlich funktioniert diese Angelei in der warmen Jahreszeit am besten – etwa zwischen Mai und September. Es müssen allerdings nicht zwangsläufig hochsommerliche Temperaturen herrschen. Im Gegenteil: Ich machte die Erfahrung, dass milde, aber bedeckte Tage oft besser sind als sonnige. Dann scheinen die Fische etwas weniger scheu zu sein und trauen sich eher an die Oberfläche. Sogar bei leichtem Regen fing ich schon super.

Es müssen nicht immer die kapitalen Karpfen sein. Die Spannung und das Erlebnis zählen für Tobi mehr als die Fischgröße

Brennt die Sonne von einem wolkenlosen Himmel, solltest Du es lieber früh am Morgen oder in der Abenddämmerung probieren. Jetzt sind die Fische aktiver und reagieren auf Oberflächennahrung oft besser als mitten am Tag. Nicht alle Gewässer eignen sich gleichermaßen gut zum Schwimmbrotangeln. Am sichersten wirst Du an überschaubaren und vor allem recht flachen Seen Fische an die Oberfläche locken. Der Weg vom Grund nach oben ist hier einfach kürzer und die Fische bekommen schneller mit, wenn über ihnen was Leckeres auf dem Wasser treibt. Kleine Seen besitzen zusätzlich den Vorteil, dass Du sie oft komplett überblicken kannst. Lässt Du das Schwimmbrot einmal durch das Gewässer treiben, wird es früher oder später auch auf Fische stoßen – und Du wirst es mitbekommen! Die meisten Angler denken in Zusammenhang mit Schwimmbrot vermutlich an stehende Gewässer.

Oberflächenangeln an Flüssen und Kanälen

Aber Oberflächenangeln funktioniert auch ganz hervorragend an Flüssen und Kanälen. Hier spielt uns die Strömung in die Karten, denn sie ist berechenbarer als der Wind und trägt unsere Brotstückchen zuverlässig entlang der Uferkante flussabwärts. Unsere Montage lassen wir dank Strömungshilfe ebenfalls sehr einfach und exakt Richtung Fisch treiben. Das ist ein wichtiger Punkt, denn eines mögen die Flossenträger gar nicht: Wenn Du ihnen die Montage direkt auf den Kopf wirfst! Nutze am besten Wind und Strömung oder überwerfe die Fische ein gutes Stück, um dann im Anschluss die Montage ganz langsam in den heißen Bereich zu ziehen…

Den kompletten Artikel lest Ihr in RUTE&ROLLE 09/2018!

Text & Fotos: Tobias Norff

 

 

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