Seit Jahren werden an der hessischen Niddatalsperre künstliche Laichhilfen für Zander eingebracht – mit großem Erfolg. Sean Perez besuchte das Gewässer und ließ sich von Talsperrenmeister und Projektleiter Armin Hudetz in die Kunst der Biomanipulation einweisen

Der Natur auf der Spur

Mitten im einst aktiven Vulkangebiet ruht sie – die faszinierende Niddatalsperre. Mit einer Wasserfläche von durchschnittlich 43 Hektar liegt das Gewässer gut eingepackt zwischen dichten Wäldern und saftig grünen Wiesen. Von einheimischen Anglern wird die Talsperre für ihren guten Fischbestand geschätzt – und anhand eines zukunftsweisenden Zander-Projekts macht das Gewässer bereits überregional auf sich aufmerksam. Talsperren sind künstliche Gewässer und unterliegen zum Teil stark schwankenden Wasserständen. Im Herbst wird die Niddatalsperre abgesenkt, sodass genügend Retensionsraum (Stauraum) für die im Spätwinter einsetzende Schneeschmelze zur Verfügung steht. In den darauffolgenden Monaten stehen die sonst trocken liegenden Sträucher und Büsche direkt im Wasser und bieten den Fischen natürliche Laichhabitate.

Eine Talsperre im Wandel

Klimatisch bedingte Veränderungen haben jedoch in den letzten Jahren dazu geführt, dass Schneeschmelzen teilweise oder gar komplett ausblieben. Bei einem zu niedrigen Wasserstand fallen die natürlichen Laichgebiete weg, die Fortpflanzung verschiedener Fischarten – auch die des Zanders – ist stark gefährdet. Talsperrenmeister Armin Hudetz erkannte die Gefahr und rief ein Projekt ins Leben, welches durch ein gezieltes Eingreifen die Fortpflanzung von Zander, Hecht & Co selbst bei Niedrigwasser sichert.

Biomanipulation: Gezielte Optimierung

Die gezielte Steuerung von Nahrungsketten in einem Gewässer nennt man Biomanipulation. Dadurch können Ergebnisse erzielt werden, die auf natürliche Weise nicht möglich wären. Auch das Einbringen von Zanderlaichhilfen zählt dazu, wie Projektleiter Armin Hudetz erklärt: „Ohne eigene Reproduktion in einem Gewässer kann sich kein nachhaltiger Fischbestand aufbauen. Wichtiger als jeder Fischbesatz sind Maßnahmen, die eine natürliche Fortpflanzung ermöglichen. Als die Schneeschmelze immer öfter ausblieb, war ein schnelles Handeln gefragt. Um die Fortpflanzung der Raubfische aufrecht zu erhalten, wurden in den ersten Jahren beschwerte Tannenbäume im Gewässer versenkt. Mit der Zeit passten wir unsere Strategie an und entschieden uns für den Einsatz von künstlichen Laichbürsten. Diese bestehen aus Polypropylen und haben den Vorteil, dass weniger Pilzkrankheiten und Bakterien auf die empfindlichen Fischeier übertragen werden.“
Das Vorzeigeprojekt mit den künstlichen Laichbürsten sorgt mittlerweile nicht nur für glückliche Angler, sondern leistet zusätzlich einen wichtigen Beitrag zur Gewässerqualität. Durch die Stärkung des Raubfischbestands werden die Fressfeinde (Cypriniden) von Wasserflöhen (Daphnia) reduziert. Der hohe Bestand an Wasserflöhen frisst wiederrum die im Gewässer vorkommenden Algen und sorgt für eine saubere und klare 
Talsperre.

Beste Aussichten für Zander

Langfristig gesehen können Besatzmaßnahmen nur unterstützend wirken. Umso wichtiger ist es, einen starken, natürlichen Zander- und Raubfischbestand zu ermöglichen. Armin Hudetz zieht Bilanz und erläutert die bisherigen Ergebnisse: „An der Niddatalsperre ist das Zander-Projekt ein voller Erfolg. Seit Anfang an konnten wir eine jährliche Zunahme der Zanderbrut beobachten. Inzwischen greifen die Maßnahmen so gut, dass wir im Augenblick auf einen Raubfischbesatz komplett verzichten können. Verschiedene Bestandskontrollen haben gezeigt, dass alle Altersklassen der geförderten Fischarten im Gewässer ausreichend vorhanden sind.“ Letztendlich ist es dem schnellen Handeln und den Bemühungen des Wasserverbands zu verdanken, dass sich der Zander- und Raubfischbestand auch in den kommenden Jahren positiv entwickeln wird. Anfragen zu den künstlichen Laichhilfen können über die 
E-Mail-Adresse des Wasserverbands Nidda – unter info@wasserverband-nidda.de – gestellt werden.

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