Wer sich mit den Standplatzvorlieben großer Bachforellen auseinandersetzt, findet schnell ihre Verstecke. Sean Perez verrät, wo die besten Stellen am Bach warten.

Aller guten Dinge sind drei

Um erfolgreich auf Bachforellen zu angeln, musst Du zunächst verstehen, warum Fische bestimmte Stellen bevorzugen und wie man sie als Angler schnell erkennt.
Verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle, doch meine erfolgreichsten Stellen weisen stets immer eins oder mehrere der folgenden Kriterien 
auf:

  1. Die Stelle bietet dem Fisch ausreichend Deckung vor Fressfeinden und Schutz vor anderen Bedrohungen.
  2. Von hier aus erkennt die Forelle vorbeischwimmende Nahrung gut und erreicht sie schnell.
  3. An diesem Platz kann sich der Fisch für einige Zeit aufhalten, ohne viel Energie aufwenden zu müs-
sen.

Auch wenn jedes Gewässer seine Eigenarten hat – je mehr der drei genannten Kriterien auf eine Stelle zutreffen, desto aussichtsreicher ist sie. Beim Erkunden eines Baches halte ich mir diese Punkte stets vor Augen. So verbringe ich weniger Zeit bei der Stellensuche und mehr Zeit mit Fische fangen. Mit scharfem Blick und etwas Übung wirst Du Dein Gewässer bereits in Kürze aus einer neuen Perspektive sehen und Hotspots auf den ersten Blick erkennen.

Einmündungen

Ob Bacheinlauf oder kleiner Feldgraben – überall dort, wo eine Einmündung den normalen Wasserlauf eines Fließgewässers unterbricht, stehen die Zeichen gut für uns Forellenangler. Durch das einströmende Wasser entsteht hier eine Strömungskante, an der Würmer, Insekten und andere Nahrung direkt ins lauernde Forellenmaul gespült werden. Durch den erhöhten Wasserdruck bilden sich zudem Vertiefungen, die Forellen gerne als Versteck aufsuchen. Eine tiefe, ausgespülte Rinne am Einlauf ist nahezu immer ein Garant für schicke Forellen.
Ruhe bewahren. Forellen sind sehr empfindlich und nehmen selbst kleinste Erschütterungen am Ufer wahr. Bewege dich langsam und verhalte dich ruhig bei der Forellenpirsch. Wirf erfolgversprechende Stellen aus einiger Entfernung an – sodass die Forelle Sie nicht bemerken kann.

Bäume und Wurzelwerk

Nahezu jeder Bach besitzt eine Vielzahl an Top-Stellen. Da kann es schon mal passieren, dass man sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Apropos Bäume – entlang des Ufers stellen die wildwachsenden Wurzelträger einen hervorragenden Einstand für Bachforellen dar. Sie spenden bei heißem Wetter und Sonnenschein nicht nur wohltuenden Schatten, sondern sorgen durch herabfallende Nahrung stets für einen appetitlichen Forellen-
Snack. Wurzeln, die sich tief in die Uferböschung graben, lockern die Erde stark auf und bilden ausgespülte Verstecke direkt unter dem Baum. Diese Stellen sind durch die starke Verwurzelung oft nicht einfach zu befischen und werden von den meistern Anglern schlichtweg ignoriert. Hier können Forellen in Ruhe abwachsen und beachtliche Größen erreichen.

Schwer zu beangelnde Stellen meiden viele Angler. Zu groß ist die Furcht vor dem Köderverlust. Doch genau hier sollten Sie ruhig ein paar gezielte Würfe riskieren. Ein gut platzierter Köder unterhalb eines verwurzelten Baums wird nicht selten mit einer schicken Forelle 
belohnt.

Rohre

Fließt das Wasser plötzlich durch ein Rohr, so wird der Wasserfluss verengt und am Ende wie durch ein Nadelöhr gepresst. Das strömende und sauerstoffreiche Wasser schießt mit erhöhter Geschwindigkeit heraus und spült Schlamm, Sand und Kies unterhalb des Rohrs mit sich fort. An diesen Stellen entstehen interessante Strukturen und tiefe Rillen, die oft von Bachforellen als Einstand aufgesucht werden.

Rauschen und Pools

In der Hydrologie (Lehre des Wassers) bezeichnet das Wort Rausche ein flach abfallendes Bach- oder Gewässerstück mit höherer Fließgeschwindigkeit und stärkerer Wasserturbulenz als im umliegenden Gewässerabschnitt. Oft sind sie leicht zu finden – durch das rauschende und aufgeschäumte Wasser können wir den Spot nicht nur optisch gut erkennen, sondern bereits aus einiger Entfernung hören. Rauschen sorgen mit wechselnden Fließgeschwindigkeiten und unterschiedlich ausgeprägten Tiefen für markante Strukturen im Bach und sind immer für die eine oder andere Durchschnittsforelle gut. Wer es aber auf die größeren Exemplare abgesehen hat, sollte das Ende der Stromschnelle keinesfalls außer Acht lassen. Oft hat sich hier ein tief ausgespültes Loch gebildet, welches die eigentliche Top-Stelle der Rausche darstellt. Zum einen bietet der ausgespülte Untergrund eine tiefe Deckung – der Fisch kann sich ohne große Mühe auf der Stelle halten. Zum anderen ist das einströmende Wasser reich an Sauerstoff und transportiert Nahrung direkt in den Pool.

Meistens halten sich nur halbstarke Fische oberhalb oder direkt in der Rausche selbst auf. Ein paar gezielte Würfe an diesen Stellen sind nie verkehrt, konzen-
trieren Sie sich jedoch auf den tiefen Gumpen und die Rinne am Ende der Rausche.

Steine und Felsen

Je steiniger der Weg, desto größer die Erfolgsaussichten. Zumindest trifft diese Aussage auf die Bachangelei zu. Steinige Abschnitte sorgen für viel Abwechslung im Strömungsfluss. Sie bieten der Forelle eine gute Versteckmöglichkeit, von wo aus sie vorbeiziehende Beute schnell aus dem Hinterhalt packen kann. Auf der Rückseite des Steins bildet sich ein beruhigter Bereich, auch Strömungsschatten genannt. Hier kann sich der Fisch ausruhen und ohne Energieverlust aufhalten. Steinige Stellen beangel ich mit kleinen schwimmenden Wobblern oder Gummifischen am leichten Micro Jig. Um den Fisch nicht zu verscheuchen, positioniere ich mich vorsichtig flussabwärts und werfe den Stein nicht direkt an, sondern ziele leicht darüber. Mit ein paar Kurbelumdrehungen bringe ich die Schnur schnell auf Spannung und lasse den Köder langsam abwärts treiben. Der Wasserfluss übernimmt die restliche Arbeit und lenkt ihn um den Stein herum und direkt ins Forellenmaul.

Kurven und unterspülte Ufer

Am Bach zählen Kurven zu meinen absoluten Lieblings-Hotspots – vor allem dann, wenn unterspülte Ufer vorkommen. Wird das Wasser fest in die Kurve gedrückt, ändert der Bachlauf plötzlich seine Richtung, die Fließgeschwindigkeit wird gebremst und es entstehen markante Strukturen. Die Innenkurven sind verhältnismäßig flach und in vielen Fällen sandig oder kiesig. Die tieferen Außenkurven sind für uns Bachläufer interessant. Durch die Kraft der Strömung entstehen tiefe Löcher und unterspülte Uferpartien, die optimale Bedingungen für Kapitale bieten. Bei Hochwasser sammelt sich zudem Holz und Geäst in den meisten Kurven an, wodurch weitere Top-Unterstände für Bachforellen entstehen.

Um Kurven und unterspülte Uferpartien gründlich abzufischen, muss der Köder runter – und zwar schnell. Greife also ruhig zu etwas schwereren Jigköpfen, damit der Happen rasch auf die gewünschte Tiefe sinkt.

Wehr’ are you?

Diese Frage muss man sich als Angler nicht lange stellen, denn ähnlich wie bei Rauschen sind Wehre schon von Weitem zu hören. Eine Vielzahl verschiedener Faktoren machen sie zu einem absoluten Hotspot am Bach. Das schnell herabstürzende Wasser ist äußerst sauerstoffreich und erzeugt einen tiefen, ausgespülten Graben unterhalb der gesamten Wehrstufe. Hier sammeln sich Nährstoffe, Insekten aber auch Kleinfische, die wiederrum größere Räuber wie Forellen auf den Plan rufen. Wie in einer Art Sackgasse hat die Bachforelle im Wehrkessel leichtes Spiel bei der Jagd nach etwas Fressbarem. Ein gut geführter Köder lässt hier nicht lange auf den gewünschten Erfolg warten.

Wobbler und andere Hardbaits sind ausgezeichnete Köder für die Forellenangelei. Durch den erhöhten Strömungsdruck direkt am Fuß des Wehres werden leichte Köder jedoch schnell aus dem heißen Bereich weggedrückt. Hier lassen sich kleine Gummifische am ausreichend schweren Jigkopf besser anbieten.

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