Streetfishing – also Spinnfischen mitten in der Großstadt – liegt gerade bei jungen Anglern voll im Trend. In der Regel heißen die Zielfische dabei Barsch, Zander und Hecht. Ganz anders in Kiel: Die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins hat zwar reichlich Wasser zu bieten, allerdings ist es salzig. Beim Angeln im Kieler Hafen begegnen uns daher Heringe, Plattfische, Meerforellen und Dorsche. Vor allem auf die Bartelträger hatte es Jesco Peschutter im Dezember abgesehen. Die marmorierten Räuber zieht es zum Winter in die Hafengebiete, wo sie sich prima fangen lassen – und zwar ohne schweres Gerät. Zander-Tackle genügt, um sich eine leckere Dorschmahlzeit zusammenzuangeln.

Am ersten Tag angelt Jesco fast aus dem Auto heraus. Am Sartorikai in der Nähe des StenaLine Terminals gibt es tiefes Wasser in Wurfweite. Da müssen die Dorsche nur noch zubeißen. Eine Spinnrute der 60-Gramm-Klasse genügt dabei vollkommen. Dazu passt eine Stationärrolle mit 0,15er Geflecht. Das Köderarsenal besteht aus fünf bis zehn Zentimeter langen Gummis mit Köpfen zwischen 14 und 28 Gramm, kleinen Pilkern und Blinkern.

Und schon kann´s losgehen. Jesco wirft zunächst weit aus, um eine große Fläche abzusuchen. Dann plötzlich beißt der erste Dorsch etwa 20 Meter vom Ufer entfernt. Das morgige Mittagessen ist damit gesichert. Der zweite Dorsch lässt kurz danach nicht lange auf sich warten und wird die Pfanne weiter füllen. Auch dieser Fisch hat unweit der Kaimauer den Gummifisch in der Absinkphase genommen.

Danach dauert es eine Weile bis zum nächsten Biss. Aber es ist kein Dorsch und auch keine Meerforelle, sondern ein Roter Knurrhahn, der an der Wasseroberfläche erscheint. Und der kann sich mit stolzen 47 Zentimetern sehen lassen! Das urige Aussehen und die tollen Farben des Fisches begeistern Jesco.

Der nächste Fisch, der anbeißt, ist wieder ein Dorsch. Vor allem den unscheinbaren, braunen Doppelschwanztwister mit Fransenkranz mögen die Hafenbewohner anscheinend. Das Wasser ist glasklar. Da haben gedeckte Farben vielleicht die Nase vorn.

Gegen 14 Uhr tritt die Color Fantasy ihre Reise nach Norwegen an. Das große Schiff sorgt für ordentlich Wirbel und Strömung im Hafenbecken. Jesco wartet deshalb noch kurz ab, ob das die Fische noch mehr auf Trab bringt und möchte dann die Stelle wechseln.

Nächster Anlaufpunkt: Die Hörn mitten in Kiel City

Die Nachmittagssonne taucht den Hafen mit seinen alten Holzseglern in ein herrlich warmes Licht. Allerdings scheint die Hörn heute verwaist zu sein oder die Dorsche haben noch keinen Hunger. Jescos Erfahrung zeigt, dass die beste Zeit ohnehin erst in der Abenddämmerung beginnt. Bis zur Fußgängerbrücke beim Hauptbahnhof fischt sich Jesoc durch, leider ohne Erfolg. Kein einziger Biss! Also geht´s weiter zum Thiessenkai kurz vor der Schlese zum Nord-Ostsee-Kanal. Es dauert keine Viertelstunde, bis der erste kleine Dorsch hakt. Leider bleibt es aber dabei, denn die nächsten zwei Stunden verstreichen ohne weiteren Biss.

Es ist inzwischen schon spät und die Luft wird auch nicht gerade wärmer, aber Jesco gibt sich noch nicht geschlagen und wechselt ein weiteres Mal die Stelle Richtung Westufer. Und tatsächlich lässt der nächste Dorsch nicht lange auf sich warten, den Jesco auf Gummi fängt. Dann wechselt er jedoch auf einen Blinker, den er mit kurzen, harten Rucken über Grund führt. Das funktioniert und bringt Biss auf Biss. Viele der Blinker-Dorsche sind allerdings sehr klein. Zum Abschluss dieses langen, harten, aber auch erfolgreichen Streetfishing-Tages in Kiel wird dann schließlich noch ein richtig schöner Dorsch mit Gummifisch gehakt.

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