Unser Autor André de Wit liebt Angeln aus einem ganz bestimmten Grund: das Abenteuer der Unvorhersehbarkeit. Entdeckt mit ihm die Faszination Karpfenangeln abseits der Jagd nach den Kilos.

Autor André de Witt       Fotos André de Witt

Aufmacher Karpfen

Das Ungewisse ist die Faszination beim Karpfenangeln

Heutzutage liest man viel über Ziele. Viele Karpfenangler machen sich aber großen Druck, den einen berühmten Rekordfisch zu fangen. Daran ist natürlich nichts auszusetzen, jeder sollte das tun, was ihm am meisten Spaß macht und was ihm Freude bereitet. Aber was ist mit den echten Erlebnissen, die einen immer wieder ans Wasser ziehen? Für mich ist das sehr unterschiedlich. Manchmal befische ich ein Gewässer, an dem viel los ist, ein anderes Mal einen schwierigeren See mit der Hoffnung auf einen Kapitalen. Oder ich streife nur mit einer Angelrute und etwas Brot umher, auf der Suche nach Oberflächenaktivität. Dies ist eine der reinsten Formen des Karpfenangelns! Aber die besten Erinnerungen habe ich an die Touren, bei denen ich wenig oder gar nichts über das Gewässer wusste. Der erste große Fisch, oder ein besonders hübsch geschuppter Karpfen – die bleiben in Erinnerung!

Unbekannte Schätze beim Karpfenangeln

Es ist Ende April 1995, mein Kumpel Jeroen und ich beschlossen, ein großes Seegebiet zu beangeln. Für uns beide war das Neuland, aber wir wollten diese Herausforderung annehmen. Und was gibt es Schöneres, als an einem Gewässer zu angeln, von dem man nicht weiß, welche Möglichkeiten es gibt? Wir träumten von unbekannten Schätzen. Für einen so großen See war es noch sehr früh in der Saison. Wir hatten noch nie einen Karpfen dort springen sehen und fragten uns, ob es überhaupt welche gibt. Abgesehen vom Hechtangeln hatten wir keine Erfahrung an diesem See. Aber wie in fast allen Gewässern in den Niederlanden schwammen hier bestimmt Karpfen herum, nur wie viele, das war die Frage. Unsere Angelstellen fütterten wir ein paar Tage lang mit wenig Futter. Angesichts des weichen Bodens beschlossen wir, eine Kombination aus gekochtem Mais und Boilies zu füttern. Die Brassenpopulation war noch nicht so aktiv, sodass dies kein Problem darstellen sollte. Alle Ruten waren an ihrem Platz und die Anspannung stieg, als die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Horizont verschwanden. Ich spähte über das Wasser und lauschte aufmerksam auf springende Karpfen. Bei diesem Wind ein fast unmögliches Unterfangen und der Zweifel am Karpfenbestand blieb.

Schmuckbild Karpfen

Goldene Überraschung für André beim Karpfenangeln

Fassungslos

Schließlich krabbelte ich in den Schlafsack, aber es dauerte lange, bis ich einschlief. Gegen 00.30 Uhr ertönte ein einzelner Piepton und ich war sofort hellwach! Noch einer und dann wurden sie immer schneller – ein Lauf! Voller Überraschung nahm ich die Rute in die Hand. Während ich mit dem Karpfen kämpfte, ging ich vorsichtig über die glatten Steine und suchte eine Stelle, an der ich den Karpfen landen konnte. Nach etwa zehn Minuten zog der Karpfen Kreise unter der Rutenspitze. Es war stockdunkel und das Plätschern des Wassers machte es nicht einfacher, aber schließlich sah ich einen dicken Rücken an der Oberfläche. Wenig später führte ich den Fisch in den Kescher und der Stress fiel von mir ab! Am Ufer angekommen, sah ich, dass es sich um einen stark geschuppten Spiegler handelte. Ich verstaute den Fisch sicher und lief zu meinem Kumpel Jeroen. Außer Atem und voller Adrenalin weckte ich ihn auf. Er merkte schnell, dass ich etwas Besonderes gefangen hatte, und wenig später bewunderten wir den Karpfen gemeinsam. Es stellte sich heraus, dass es ein großer, voll beschuppter Spiegelkarpfen war. Unglaublich, wir waren fassungslos! Wie groß ist die Chance auf ein so schönes Exemplar bei einer ersten Session?

Ausprobieren

Großer Karpfen Bild

Von solchen Fischen träumen Karpfenagler

Danach war ich nur noch wenige Male in der Lage, mich diesem ultimativen Gefühl zu nähern. Das waren die Momente, in denen wir uns in ähnlichen Situationen befanden oder die Angelei so schwierig war und wir am Ende doch noch einen Fisch fingen. Es ist nicht unbedingt die Größe des Fisches, die den Unterschied macht. Ich fühle mich auch in einem Poldersystem wohl, vor allem wenn ich noch nicht weiß, was da herumschwimmt. Das Unbekannte ist ein immer wiederkehrendes Element in meiner Angelei. Aber der Spaß steht an erster Stelle, sonst ist man am Ende am Boden zerstört. Auf Online-Marktplätzen werden regelmäßig ganze Karpfensets zum Verkauf angeboten, nicht ohne Grund! An einem überfüllten und überangelten See fühle ich mich nicht wohl. Nur wenn es ruhiger am Wasser ist und ich meinen eigenen Weg gehen kann, werdet Ihr mich dort finden. Ich versuche immer, Menschenmassen zu vermeiden. Aber es gibt so viele verschiedene Gewässer, dass das normalerweise kein Problem ist. Außerdem fische ich hauptsächlich unter der Woche, wenn es ruhiger ist. Auch die Art und Weise oder der Köder, mit dem ein Fisch gefangen wird, kann für mich mehr bedeuten, als seine Größe. Ein gutes Beispiel dafür ist eine Session an einem französischen Fluss… (den kompletten Artikel findet Ihr in der Ausgabe 06 Eurer RUTE & ROLLE).

 

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