Die 6. Hobie Worlds wurden vom 4. bis 11. Dezember 2016 in Leeville, Louisiana, USA ausgetragen. Teilgenommen haben 49 Angler aus 17 Ländern. Jedem Teilnehmer wurde ein neues Hobie Pro Angler 14 Kajak, ausgestattet mit einem aktuellen Lowrance Echolot und Power-Pole Ankersystem zur Verfügung gestellt. Deutsche Vertreter waren Thorsten Klein, der sich mit einem 2. Platz bei den World Predator Classics (WPC) qualifizierte und der Autor Wolfgang Schulze, dem ein 3. Platz bei den Hobie Predator Open dafür genügte. Im folgenden Bericht schildert der Autor seine Eindrücke über das Turnier.

Vorbereitung auf Leeville

Mit der Nachricht Mitte November 2016, auf einen Startplatz bei den Worlds nachrücken zu können, wurde ein Schalter in meinem Kopf umgelegt. Ich hatte von da an Mühe, nicht nur an Speckled Trout, Red Fish und Flounder zu denken. Innerhalb kürzester Zeit kannte ich die meisten YouTube Clips über das Fischen auf diese Turnierfische und stand in ständigem Austausch mit Thorsten Klein, dem anderen deutschen Teilnehmer. Dann musste ich mich um das Bezahlen der Startgebühr, einen Flug, die Einreiseformalitäten für die USA und eine erste Unterkunft in New Orleans kümmern. Es ist nicht so, dass mich diese organisatorischen Dinge überfordert hätten. Nur um all dies meistern zu können, musste ich meine Zurückhaltung gegenüber dem Nutzen von PayPal und Facebook aufgeben und mich auf diese E-Welten einlassen. Zugegeben hat dies auch Vorteile. Aber in einem Punkt bin ich dank der Hinweise von John Parker, Captian des Teams Europe, standhaft geblieben. Ich habe dem Drang widerstanden, zusätzliches und vermeintlich dringend notwendiges Angelmaterial für die Worlds zu kaufen. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellte, denn die großzügig von Hobie und der Firma Egert zur Verfügung gestellten Köderpakete deckten diesen Bedarf mehr als genug.

Welcome to the USA

Ich bin schon mehrmals in den USA gewesen und habe mal ein halbes Jahr in San Francisco gelebt und gearbeitet. Aber dies ist lange her und so war ich aufs Neue über dieses Land erstaunt. Hey, wozu braucht Ihr all diese großen Autos, Tripple Burger und diese riesigen Limonadenbecher, die immer wieder kostenlos aufgefüllt werden können? Und das mit den Bass Pro Shops und Cabela’s ist ja wohl der Gipfel! Diese Tempel der Verheißung und Versuchung sollte man nur mit einem begrenzten Bargeldbudget und ohne Kreditkarte besuchen dürfen. Aber egal, einmal ist keinmal. Aus dem Bass Pro Shop raus und weiter ging’s zum Turnierquartier nach Leeville, 2 Stunden Autofahrt südlich von New Orleans entfernt. Je näher wir Leeville kamen, umso aufgeregter wurde die Stimmung. Die Wasserflächen wurden immer größer und die sooft im Internet bestaunte Marschlandschaft wurde Realität. Andächtiges Schweigen und Vorfreude machten sich bei der Fahrt über die 5 Meilen lange Stelzenbrücke kurz vor unserem Ziel breit. Für einen Europäer gigantisch und für einen Kajakangler paradiesisch mutete diese Landschaft an.

Angekommen am Sonntag, dem 4. Dezember in Moran’s Hotel in Leeville, bestätigte sich der positive Eindruck, den man von Fotos über die Turnierunterkunft gewinnen konnte. Absolut fabelhaft ausgewählt! Ein Motel am Wasser auf Stelzen, verbunden über Stege mit einer urigen Kneipe namens Finn‘s Bar, einem kleinen Restaurant und einer Kombination aus Frühstückslokal, Tante Emmaladen mit Angelsortiment. Nach dem Bezug der komfortablen Zimmer, fand sich am Abend nach und nach das Teilnehmerfeld in Finn’s Bar ein. Ein großes Hallihallo bei denen, die sich bereits kannten und ein unentwegtes Anstoßen mit denen, deren Profil man nur auf der Turnierwebsite begegnet war. Gut, dass der offizielle Teil erst am Montag um 15 Uhr mit der Registrierung und Einweisung in die Turnierregeln begann. Der Jetlag und die Nebenwirkungen des Besuchs von Finn’s Bar hielten jedoch die wenigsten davon ab, am nächsten Tag die Hausgewässer zu befischen. Zusammen mit Thorsten Klein und Rene Winklinger (Österreich) versuchte ich mein Glück an einem Einlauf in einem kleinen Hafen. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Mit gejiggten Shads fingen wir einige Trouts und kleine Reds, deren Drill an der leichten Spinnrute großen Spaß machte. Ein vielversprechender Anfang!

Organisation und Einweisung in das Turnier

Um es zusammenzufassen: die Hobie Fishing Worlds 2016 waren perfekt. Und dies ist nicht leichtfertig und wohlwollend dahingeschrieben. Die Hauptorganisatoren und Moderatoren, Keeton Eoff und Steve Fields, Gero Priebe, zuständig für Hobie Europa, und das gesamte Hobie-Team haben einen großartigen Job gemacht. Alles war genauestens geplant und verlief reibungslos. Für den Umgang mit dem Echolot und dem Ankersystem gab es spezielle Einweisungen und stets waren hilfsbereite Fachleute in der Nähe. Ein besonderes Lob gebührt demjenigen, der die Idee hatte, einheimische Kajakangler als Guides für die beiden Pre-Fishing-Days einzuladen. Bedenkt man, wie wenige Urlaubstage ein Amerikaner hat, kann deren Engagement nicht hoch genug gewürdigt werden. Paul Rountree (Neuseeland) und ich hatten das Glück und Vergnügen, von Lance Burgos mit dem Gewässer und den Angeltechniken auf die Turnierfische Speckled Troud, Red Fish und Flounder vertraut gemacht zu werden.

Gewässer und Fische

Die Bezeichnungen Pelican oder Bayou State für Louisiana lassen bereits auf die besondere Verbindung zum Wasser schließen. Bayou steht für langsam fließende und stehende Gewässer. Und genau diese haben wir in der Umgebung Leeville vorgefunden. Bis auf die Schifffahrtskanäle mit bis zu 5 Metern, bewegt sich die Durchschnittstiefe der dem Meer vorgelagerten Marschlandschaft zwischen 10-90 cm. Oftmals war ein Fortkommen in dem typischen Schilf-Insel-Labyrinth nur paddelnderweise ohne den Mirageantrieb möglich. Ein besonders kampfstarker Fisch, der sowohl im Flach- als auch im Freiwasser anzutreffen ist, ist der Red Fish, der bis zu 130 cm lang und 15 kg schwer werden kann. In einem sehr flachen vom Schilf umschlossenen Bereich machte Rene Winklinger an einem der Turniertage die Rückenflosse eines Reds aus, den er mehrmals auf Sicht anwarf und letztendlich zum Biss verleiten konnte. Europameister Daniel van der Post konnte am 1. Pre-Fish-Day einen kapitalen Red landen. Noch mehr Glück hatte Thorsten Klein, der keine 15 Minuten vom Starpunkt entfernt einen Flachwasserspott entdeckte, der ihm an dem extrem schwierigen 2. Turniertag in kurzer Zeit mehrere Trouts und einen sehr guten Red einbrachte, was immerhin für den 2. Platz der Tageswertung genügte. Ich selbst hakte am 1. Pre-Fish-Day im Freiwasser einen riesigen Red, leider an der leichten Spinnrute. Zweimal gelang es mir, den Red an die Oberfläche zu bringen ohne ihn jedoch landen zu können. Nach 2 Stunden Drill setzte ich alles auf eine Karte und versuchte den Giganten ins Flachwasser zu ziehen. Wahrscheinlich war es eine Auster, an der zu meiner großen Enttäuschung die Schnur gekappte wurde. Was blieb, sind immerhin die Videoaufzeichnungen vom Drill, den vorbeifahrende Angelkollegen aufgenommen haben. That’s fishing!

Speckled Trout wurden zumindest an den vom warmen Wetter begünstigten Pre-Fish-Days von den meisten Teilnehmern in rauen Mengen gefangen. Hatte man einen Schwarm ausgemacht, spielte der Köder fast keine Rolle mehr. Eine etwas ungewöhnliche Methode, um an schwierigen Tagen Trouts und Reds an den Haken zu bekommen, ist das Angeln mit dem sogenannten Popping-Cork. Dabei handelt es sich um einen circa 10 cm langen und bereits ausgebleiten Schwimmer, der an einem doppelten so langen Drahtstift frei beweglich angebracht ist. Eingerahmt wird der Schwimmer von Glas- oder Metallperlen an den Enden des Drahtstiftes. Unterhalb des Stiftes verläuft ein circa 50 cm langes Flourcarbonvorfach, an dem beliebige Köder, bevorzugt Shrimpimitate, angebracht werden können. Das System wird jerkenderweise, um das Poppinggeräusch zu erzeugen, eingeholt. Mit diesem Popping-Cork gelang es mir am eiskalten und stürmischen 2. Turniertag immerhin einige -wenn auch untermaßige- Trouts zu fangen. Als Phantom-Fisch des Turniers entpuppte sich die Flounder. Mir ist nicht bekannt, dass auch nur eine einzige gefangen worden ist. Es war wohl einfach die falsche Jahreszeit für diesen Plattfisch.

Das Turnier

Der neue und nunmehr zweifache Worldchampion im Kajakangeln, Steve Lessard aus Louisiana, hat es in einer Rede anlässlich seiner Krönung auf den Punkt gebracht: „Jeder hätte Worldchampion werden können.“ Hört sich banal an, ist es aber nicht. Denn er ergänzte: „Wäre das Wetter nicht so drastisch umgeschlagen, hätte mir der Heimvorteil kaum etwas genutzt und ich würde jetzt wahrscheinlich nicht auf dem Podium stehen.“ Und da hat er recht, denn leicht gemacht wurde ihm der Sieg nicht. Der australische Worldchampion von 2013, Richard Somerton, -von seinem Teamkollegen Mitch King „The fishing-machine“ genannt-, lieferte Steve Lessard bis zuletzt einen spannenden Kampf. Aus diesem Zweikampf und dem Gesamtresultat des Turniers kann man mehrere Schlüsse ziehen: Erfolg ist auch beim Turnierangeln kein Zufall. Die Jungs aus den USA und Australien fischen in einer anderen Liga! Dies wird besonders bei Auswertung der Resultate der vorangegangenen Worlds deutlich. Bei den Worlds 2011 und 2013, die in Australien stattfanden, belegten jeweils 3 Australier die Plätze 1-3. 2012 und 2014 (Steve Lessard) stellten die Amerikaner den Worldchampion. Die Überlegenheit dieser Angler resultiert meines Erachtens vor allem aus der immensen Wettkampferfahrung. Der Erfahrungsaustausch und -gewinn bei Turnieren ist enorm. Dieser Vorsprung ist von uns Europäern mangels Turniergelegenheiten kaum wett zu machen. Ganz zu schweigen von den Bedingungen in Deutschland, wo Wettangeln verboten sind und das Angeln vom Boot aus nur eingeschränkt möglich ist. Hinzu kommt, dass Angeln zumindest in den USA einen ganz anderen Stellenwert in Politik und Gesellschaft hat. Erfolgreiche Profiangler genießen dort Kultstatus (dazu später mehr) und bei Politikern und anderen Prominenten gehört es zu einem positiven Image, sich als Angler erkennen zu geben. Ein weiterer Punkt betrifft das Sponsoring. Nicht nur professionelles Tackle, sondern insbesondere die Teilnahme an Turnieren sind teuer. Auch hier ist der Unterschied zwischen Europa und dem Rest der Welt gewaltig. So ist es gewiss kein Zufall, dass die oberen Ränge der Ergebnisliste von den Amerikanern und den Australiern dominiert wurden und erst auf den Plätzen 13 und 14 mit Igor Azevedo, Spanien, und Ronald Traas, Niederlande, die bestplatziertesten Europäer zu finden sind.

Tolle Leute

Wo soll ich anfangen? Am besten mit Jackie Smith. Irgendwann ist er wohl jedem aufgefallen, dieser unentwegt anpackende, hünenhafte, ältere Mann mit dem festen Händedruck. Captain Parker klärte mich dann auf: Jackie Smith ist eine Football Legende. Mitglied in der Pro Football Hall of Fame, Hobie Repräsentant und Mitentwickler des Pro Anglers! Wow, da war ich dann doch beeindruckt. Noch mehr beeindruckt war ich, als Jackie vor dem Startschuss zum Turnierbeginn die amerikanische Nationalhymne sang. Mit überzogenem Patriotismus habe ich es nicht so, aber trotz Kälte und Sturm stellten sich mir bei seiner inbrünstigen Darbietung die Nackenhaare auf.

Keeton Eoff und Steve Fields: ich hab’s schon gesagt. Die Hauptorganisatoren und Moderatoren der Hobie Worlds haben einen tollen Job gemacht. Beide haben Ausstrahlung und ein gutes Auftreten. Was sie gut hinbekommen haben, war die Mischung aus lockerem Zugehen auf die Teilnehmer mit gebotener Distanz, was dem Turnier jederzeit einen professionellen Anstrich verlieh.

Gero Priebe: Fishing Marketing Manager bei Hobie Kayak Europe, 5. Platzierter bei den Hobie-Worlds 2012 in Austin/Texas und Manager des Team Europe bei den Worlds 2016. Zusammen mit seinen Kollegen Zachary Barth und Tim Strijbosch hat er für die perfekte Organisation und Durchführung der Qualifizierungsangeln in Europa und die Betreuung unseres Teams bei den Worlds gesorgt. Legendär waren die morgendlichen Fahrten mit Gero als Busfahrer und DJ von Moran’s Hotel zum Startplatz bei ohrenbetäubender AC/DC-Mucke.

John Parker: Captain des Team Europe. Obwohl Amerikaner, unter italienischer Flagge gestartet, da seit Jahren in Italien lebend und arbeitend. Immer hilfsbereit, war er die gute Seele unseres Teams.

Maik Penner: Renè, Thorsten und ich staunten nicht schlecht, als uns der Brasilianer Maike Penner mit süddeutschem Akzent ansprach. Es stellte sich heraus, dass Maik in 3. Generation aus einer Auswandererfamilie stammt und in seiner Gemeinde Deutsch noch immer die Hauptsprache ist. Damit waren die besten Voraussetzungen gegeben, um einiges über das Kajakangeln in Brasilien zu erfahren.

The Competitors: Unmittelbar nach den Worlds wurde von vielen Teilnehmern in den sozialen Netzwerken vor allem die tolle Kameradschaft untereinander hervorgehoben. Ich kann dies nur bestätigen. Es herrschte durchgängig eine nette und fröhliche Atmosphäre.

Unsere Gastgeber in Louisiana: haben wir als ausgesprochen aufgeschlossen und gastfreundlich kennengelernt. Sie sind zu Recht stolz auf ihre Küche, wenn es um das Zubereiten von „Seafood“ geht. Das „All You Can Eat Dinner“ mit Schrimps und Crowfish (Krebse) bis zum Abwinken, war der absolute kulinarische Höhepunkt der 6. Worlds!

Und dann war da noch: The fantastic, The incredible, Mr Mike Iconelli!
Ich muss gestehen, ich hatte zuvor auch schon von ihm gehört. Er ist eine Ikone des Schwarzbarschangelns (und der Werbung) in Amerika. Bei seiner Vorstellung wollten das Johlen und Jauchzen der Menge –und natürlich die Selfies mit ihm- kein Ende mehr nehmen. Das meine ich mit dem oben angesprochenen unterschiedlichen Stellenwert des Angelns in den USA und Europa.

Hobie Fishing Worlds 2016 – Der Erlebnisfaktor

Klar habe ich mich riesig auf die Worlds in Louisiana gefreut. Aber bei aller Vorfreude habe ich mich zwischendurch auch mal gefragt, „Was machst Du da gerade? 10 Tage Urlaub, nicht unerhebliche Kosten, je 20 Stunden Hin- und Rückreise mit Jetlag für einen Angelwettbewerb?“

Jetzt bin ich seit kurzer Zeit wieder in deutschen Landen, habe den Jetlag überwunden, schreibe gerade diesen Bericht und schwebe immer noch auf Wolke 7. Wie bei vielen Reisen, erlebt man manche Eindrücke erst im Nachhinein so richtig intensiv. Es war der Hammer! Ich habe jeden Tag in den USA genossen.

Ihr wollt mehr über die Hobie Fishing Worlds erfahren? Dann schaut auf die Homepage von Hobie.

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